Ordner SiB, Schuljahr 2025/26, Nr 1, Oktober 2025
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Liebe Leserin. lieber Leser,
nun ist es schon wieder über einen Monat alt, das neue Schuljahr. Der Alltag hat alle voll im Griff und die Neuerungen, um die in den vergangenen zwölf Monaten so sehr gerungen wurde, sind Realität geworden.
Endlich ist G9 wieder da. Endlich beginnt die Sprachförderung vor der Einschulung. Endlich ist Medienbildung fest(er) verankert.
Auch im Schulumfeld gibt es Neues zu vermelden: In den Sommerferien präsentierte das Verkehrsministerium den Kommunen einen Erlass zu sogenannten Schulstraßen und Schulzonen. Sie sollen das unmittelbare Schulumfeld verkehrsberuhigen und somit zu mehr Sicherheit auf dem Schulweg führen. Eine gute Sache, die hoffentlich von vielen engagierte Eltern und Schulleitungen gemeinsam an unzähligen Schulen im Land eingefordert wird.
Was weniger schön war in diesem Zusammenhang, war das damit verbundene Narrativ. Scheinbar sind Eltern die Wurzel allen Übels: Titelte der Staatsanzeiger in seiner Print-Ausgabe zum Schulstraßen-Erlass noch „Fast jede Woche gibt es Schwerverletzte“, lautete die Headline zum gleichen Artikel auf staatsanzeiger.de „Schulstraßen gegen Elterntaxis“.
Von wahlweise überengagierten Helikoptereltern oder unterengagierten, die Erziehung auf die Schule abwälzenden Eltern über die Grundschulempfehlung ignorierende oder mit Klage drohenden Eltern bis zu nun eben den Elterntaxis scheint konsensfähig zu sein:
Wenn‘s rund um Schule nicht ganz rund läuft, macht man die Eltern rund.
Es liegt in der Natur meines Amtes, dass ich das entschieden anders sehe. Oder wenigstens differenziert betrachtet wissen will. Denn ja: Es gibt schwarze Schafe unter Eltern.
Warum soll es sie auch nicht geben? Es gibt auch schwarze Schafe unter Lehrkräften, unter Landtagsabgeordneten, unter Verwaltungsangestellten und jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe.
Ein verallgemeinerndes Eltern-Bashing bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit geht jedoch an der Realität der Mehrheit vorbei. Da gibt es engagierte Klassenelternvertreterinnen und Elternbeirats-Vorsitzende. Da gibt es im Förderverein oder bei der Nachmittagsbetreuung Aktive. Da gibt es Unterstützerinnen und Ratgeber, Sparringspartner und Impuls-Setzerinnen, Organisatorinnen und Anpacker. Sie alle tragen dazu bei, dass Schule funktioniert. Nicht in gleichem Maß wie Lehrkräfte, Schulleitungen und die kommunalen Angestellten von Sekretariat über Betreuung bis zur Hausmeisterei. Aber nach Kräften und zielgerichtet, nach bestem Wissen und Gewissen, voller Engagement und ziemlich selbstlos.
Das verdient Anerkennung. In jeder Klasse, in jeder Schule, in jeder Kommune und auf Landesebene. Nicht nur punktuell bei der Wahl der Elternvertretungen, sondern kontinuierlich. Wertschätzung trägt übrigens auch dazu bei, dass Engagement Nachahmer findet. Was wiederum dazu führt, dass Schule besser wird. Für alle Beteiligten, vor allem aber:
Für unsere Kinder.
Sebastian Kölsch
Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats
