Ordner SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 3, März 2025
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Liebe Leserin. lieber Leser,
das zweite Schulhalbjahr hat begonnen und doch ist nichts in der Schullandschaft mehr, wie es noch vor wenigen Tagen war:
Nach zähem Ringen ist die rein mengenmäßig umfangreichste Schulgesetz-Änderung seit den 80er-Jahren beschlossen worden. Die Beerdigung des Werkrealschul-Abschlusses, den es ohnehin nur in Baden-Württemberg gab, der Startschuss für die dringend benötigte Sprachförderung im Vor- und Grundschulalter, die Wiedereinführung von G9, die neuen Optionen für Schulverbünde im Sekundarbereich – das alles ging fast ein wenig unter vor dem Getöse rund um Kompass 4 in den vergangenen Wochen.
Erstaunlich dabei war, dass sich die Öffentlichkeit auf einen Test stürzte, der von vornherein nur als Chance konzipiert worden war. Wer der Entscheidungskompetenz der Grundschul-Lehrkräfte nicht so recht trauen mag, erhält mit Kompass 4 – so die Theorie – einen objektiven Blick auf die Kenntnisse seines Kindes. Sowohl die Aufgaben, als auch ihre Bewertung sind landesweit identisch. Die manchmal wabernde Befürchtung, da habe es eine Lehrkraft persönlich auf ein Kind oder seine Eltern abgesehen und würde es deshalb für eine vermeintlich weniger gute Schulart empfehlen, kann durch Kompass 4 objektiviert werden. Dass das in diesem Schuljahr durch ein Versemmeln dieser Kompetenzmessung nicht möglich war, damit befasst sich unser Leitartikel.
Nachdem nun wieder etwas mehr Ruhe einkehren kann (hoffentlich!), könnten wir uns eigentlich wieder den Dingen zuwenden, die uns im vergangenen Jahr viel zu wenig beschäftigt haben:
Der Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung kommt nach wie vor in 18 Monaten und nach wie vor ist dafür viel zu wenig geplant. Bei der didacta in Stuttgart beschäftigten sich mit diesem Thema zahlreiche Foren und ein vom Städtetag organisierter Ganztagsbetreuungskongress. Als Eltern, denen die ganztägie Betreuung nicht Anspruch, sondern Versprechen ist, hoffen wir, dass alle das thema so ernstnehmen, wie sie es sollten.
Als Landeselternbeirat werden wir uns 2025 übrigens neben unserer Kernaufgabe vor allem einem Ereignis widmen:
Der LEB wird 60!
Das wollen wir nicht nur feiern, sondern wir wollen auch die Zeit nutzen, um ein wenig in die Geschichte zu blicken: Womit beschäftigten sich unsere Vorgängerinnen und Vorgänger? Veränderte sich das Verhältnis zum Kultusministerium und zur Politik? Welche Entwicklung nahm Elternarbeit im schulischen Kontext? Ab nächster Ausgabe geht es los – und unser Archiv der „Schule im Blickpunkt“ wird uns wertvolle Recherche-Quelle sein.
Zum runden Geburtstag schenken wir übrigens allen Eltern im Land ein neues Wahlverfahren. Wir wünschen uns in einem Jahr eine höhere Wahlbeteiligung, mehr Kandidierende und insgesamt eine größere Aufmerksamkeit für dieses Gremium:
Für unsere Kinder.
Sebastian Kölsch
Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats
