Ordner SiB, Schuljahr 2025/26, Nr 6, Juli 2026
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Liebe Leserin. lieber Leser,
sind wir weitergekommen?
Mit dieser Frage hat mein Vorgänger Sebastian Kölsch sein letztes Vorwort für die Schule im Blickpunkt beendet. Ich übernehme den Vorsitz des Landeselternbeirats und damit auch diese Frage – nicht als Schlusspunkt, sondern als Auftrag für die kommenden drei Jahre.
Seit 20 Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in der Elternarbeit. Ich weiß deshalb aus eigener Erfahrung, wie viel Kraft dieses Engagement kostet und wie selten es am Ende wirklich etwas bewegt. Zu oft werden bildungspolitische Weichen längst gestellt, bevor Eltern überhaupt gefragt werden. Was dann bleibt, ist Kommentieren statt Mitgestalten. Genau hier will ich ansetzen: Eltern gehören von Anfang an den Tisch, nicht erst, wenn alles entschieden ist.
Bildungsgerechtigkeit ist mir dabei besonders wichtig: Welche Chancen ein Kind in der Schule hat, darf nicht von der Herkunft der Familie oder ihrem Geldbeutel abhängen. Dazu gehört zuallererst eine verlässliche Unterrichtsversorgung. Fachleute halten eine Lehrkräfteausstattung von rund 110 Prozent für notwendig, nach Jahren des Personalmangels und so mancher Verwaltungspanne liegen wir davon noch ein Stück entfernt.
Genauso dringend brauchen Schulen Unterstützung durch multiprofessionelle Teams: Schulpsychologinnen, Sozialarbeiter und ähnliche Fachkräfte sind seit Langem überfällig, aber an vielen Schulen weiterhin Mangelware. Angesichts wachsender psychischer Belastungen und zunehmender Schulabsentismus-Fälle können Lehrkräfte das nicht allein auffangen.
Diese Themen werden uns als Landeselternbeirat in den kommenden drei Jahren intensiv beschäftigen, und ich freue mich, sie gemeinsam mit einem engagierten Gremium anzugehen.
Mein Vorgänger schrieb, manche Eltern können einfach nicht, auch wenn sie wollen.
Diesen Gedanken nehme ich mit auf meinen Weg. Engagement gelingt nur, wenn Schule, Politik und Elternhaus einander mit Wohlwollen begegnen und wenn auch das Ehrenamt selbst bessere Bedingungen bekommt. Dazu gehört für mich eine offene Debatte darüber, wie sich die Arbeit im Landeselternbeirat langfristig fair unterstützen lässt, damit sich künftig noch mehr Menschen dafür entscheiden, sich einzubringen.
Auch in dieser Ausgabe der Schule im Blickpunkt geht es um das, was Schule im Kern ausmacht: Wir blicken auf „Life Teach Us“, ein Projekt, das sich im Februar im Landeselternbeirat vorgestellt hat. In einem Interview geht es um Leistungsdruck bei jungen Menschen. Eine Konrektorin und Mutter erklärt, was eine Gemeinschaftsschule kann. Und unser SiB-Rechtsanwalt erklärt, welche Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs es jenseits der Legasthenie gibt. Ich freue mich auf drei Jahre mit Ihnen, auf Austausch, auf Reibung und auf gemeinsame Schritte nach vorn.
Als Eltern fordern wir unseren Platz in der Bildungspolitik – denn wir sind keine Zuschauer, wir sind Mitgestalter. Genau dafür steht Schule im Blickpunkt – für unsere Kinder.
Vanessa Scholz
Vorsitzende des 21. Landeselternbeirats
