Ordner SiB, Schuljahr 2025/26, Nr 5, Juni 2026
VIER ARTIKEL ALS LESEBROBE FINDEN SIE WEITER UNTEN. HIER DAS VORWORT ZU DIESER AUSGABE:
Liebe Leserin. lieber Leser,
vor drei Jahren schrieb ich in meinem ersten Vorwort für die Schule im Blickpunkt:
„Wenn demokratische Gremien umgangen werden und elterliches Engagement ignoriert oder kaltgestellt wird, ist das sicherlich der falsche Weg, um Eltern für mehr Engagement in schulischen Belangen zu gewinnen. Oder kurz gesagt: Willst du von mir Engagement im Tun, gib mir eine Stimme bei Entscheidungen.“
Heute schreibe ich mein letztes Vorwort für die Schule im Blickpunkt. Und ich komme nicht umhin, mich zu fragen: Sind wir weitergekommen?
Die Initiative des Staatsministeriums zur Stärkung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus wird hoffentlich auch in der neuen Legislatur fortgesetzt. Es gibt bereits zahlreiche gute und niederschwellige Ansätze, das Vorhaben mit Leben zu füllen. Allem vorangehen muss die Ergänzung der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und insbesondere Schulleitungen um den wichtigen Punkt der „Elternarbeit“. Nicht zuletzt der vom LEB vergangenen November erstmalig ausgelobte Preis „Elternbeiräte im Land“ hat gezeigt:
Wo Schulleitungen und Elternbeiräte an einem Strang ziehen, dort gelingt elterliche Partizipation auch jenseits der Gremien.
Und wo das nicht gelingt? Da geht es nur mit langem Atem. Und vielleicht auch mit etwas mehr Wohlwollen auf allen Seiten:
Engagierte Lehrkräfte einerseits sind nicht ehrenamtlich unterwegs und haben Anrecht auf ein Freizeit-Leben jenseits der Schulmauern. Das Telefonat in den Abendstunden, das Schulfest am Wochenende, die mehrtägige Klassenfahrt mit 24-Stunden-Aufsicht – das alles ist weder selbverständlich noch notwendigerweise Dienstpflicht. Etwas weniger Anspruchsdenken stünde manchem Elternteil gut zu Gesicht. Andererseits sind die Hälfte der Eltern nicht mehr mehrheitlich halbtags oder gleich ganz ohne Erwerbsarbeit tätig, also nicht mehr ständig für Schule verfüg- und greifbar. Von Alleinerziehenden, Zweitjobs zum Über-die-RundenKommen und sprachlichen oder kulturellen Hürden durch Migrationshintergrund ganz zu schweigen.
Viele Eltern wollen nicht nicht.
Sie können schlicht nicht.
Und das sollten wir nie vergessen!
Meine drei Jahre als LEB-Vorsitzender und Herausgeber der Schule im Blickpunkt sind nun vorbei. Meine Wünsche zum Abschied:
Ich wünschen Ihnen, den Leserinnen und Lesern der Schule im Blickpunkt, weiterhin gute Impulse und Einblicke bei der Lektüre der nächsten Jahrgänge dieses im Ehrenamt (!) vom LEB herausgegebenen Hefts.
Ich wünsche der neuen Regierung und dem neuen Kultusminister ein glückliches Händchen rund um Bildung und eine gute Kooperation mit allen involvierten und engagierten Kräften.
Und ich wünsche dem 21. Landeselternbeirat einen langen Atem und viel Kraft, das wertvolle Engagement drei Jahre zu erbringen. Eine starke Stimme der Eltern als größter Bildungs-Interessengruppe im Land tut not.
Für unsere Kinder.
Sebastian Kölsch
Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats
