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pdf Wenn das Netz zur Herausforderung wird

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Wie junge Menschen lernen, sicher im digitalen Raum zu agieren

Ein Beitrag von Angelina Weber,
LandeskriminalamtBaden-Württemberg

Die digitale Welt ist Alltag für Kinder und Jugendliche. Sie kommunizieren, lernen, vernetzen sich – selbstverständlich und meist kompetent. Das Internet ist kein Fremdkörper mehr, sondern Teil ihres sozialen Lebensraums.

Doch wo Chancen sind, gibt es auch Risiken. Cybermobbing, Cybergrooming oder das unbedachte Teilen persönlicher Inhalte können gravierende Folgen haben. Statt pauschaler Verbote braucht es deshalb Aufklärung, klare Orientierung und Erwachsene, die begleiten. Genau hier setzt das Präventionsprogramm „Klasse im Netz“ der Polizei Baden-Württemberg an.

Wenn das Netz zur Gefahr wird

Die digitale Welt ist längst Teil des Alltags unserer Kinder. Sie kommunizieren über soziale Medien, tauschen Nachrichten und Bilder aus, lernen und spielen online. Doch wo digitale Kommunikation Vorteile bietet, birgt sie auch viele Gefahren. Cybermobbing, Cybergrooming, Sexting und viele weitere Risiken können das Leben junger Menschen negativ beeinflussen. Im Rahmen des Programms „Klasse im Netz“ möchte die Polizei Baden-Württemberg aufklären und jungen Menschen die Gefahren des Internets näherbringen. Ziel ist es, ihnen zu zeigen, wie sie sich sicher im Netz bewegen und wie sie sich vor Straftaten schützen können.

Cybermobbing: was ist das und wie können wir uns schützen?

Cybermobbing bezeichnet die absichtliche, wiederholte Belästigung, Beleidigung oder Bedrohung von Personen über digitale Kommunikationskanäle. Es kann in Form von hasserfüllten Nachrichten, öffentlichen Demütigungen oder dem Verbreiten von Gerüchten geschehen. Besonders schmerzhaft sind die psychischen Folgen für die Opfer. Die Polizei rät dazu, Cybermobbing sofort zu melden und Unterstützung anzubieten. Für betroffene Jugendliche und deren Familien gibt es zahlreiche Anlaufstellen, wie die Nummer gegen Kummer oder Jugendschutz.net, die bei der Bewältigung von Cybermobbing helfen können. Eltern sollten sich vertrauensvoll mit Ihren Kindern austauschen und über deren Online-Erlebnisse informiert sein.

Cybergrooming: ernstzunehmendes Risiko für Kinder und Jugendliche

Cybergrooming ist der Versuch eines Erwachsenen, online Vertrauen zu einem Kind oder Jugendlichen aufzubauen, um dieses zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Häufig erfolgt dies unter dem Vorwand von Interesse, Freundschaft oder sogar Liebe. Kinder und Jugendliche können die Gefahren, die hinter solchen Kontakten lauern, oftmals schwer einschätzen. Die Polizei empfiehlt, dass Eltern ihre Kinder regelmäßig über ihre Online-Erfahrungen aufklären. Im Falle eines Verdachts sollten Eltern sofort die Polizei informieren und Maßnahmen zum Schutz des Kindes ergreifen.

Sexting: sind Nacktbilder strafbar?

Sexting, das Versenden von Nacktbildern oder -videos, ist ein Thema, das oft in den Medien aufgegriffen wird. Besonders gefährlich ist es, wenn Jugendliche unbedacht intime Bilder verschicken, ohne die Konsequenzen zu kennen. Das Verschicken und Verbreiten von Nacktbildern ohne die ausdrückliche Zustimmung der abgebildeten Person ist strafbar. Es ist daher von großer Bedeutung, dass Jugendliche verstehen, welche schwerwiegende rechtliche Folgen das Teilen solcher Bilder haben kann. Eltern sollten ihren Kindern die Risiken und Konsequenzen von Sexting erklären und sie dazu ermutigen, bei Problemen sofort Unterstützung zu suchen.

Verbotene Inhalte im Netz: wo endet die Meinungsfreiheit?

Das Internet bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten für den Austausch von Meinungen und Ideen. Doch nicht alles, was online geteilt wird, ist auch legal. Verbotene Inhalte wie zum Beispiel Hetze, Gewaltverherrlichung oder extremistische Propaganda überschreiten die Grenze der freien Meinungsäußerung und können strafrechtlich verfolgt werden. Kinder und Jugendliche sollten sich bewusst sein, dass auch im Netz bestimmte Regeln gelten und das Verbreiten oder Unterstützen solcher Inhalte strafbar ist. Eltern sollten ihren Kindern helfen, die Gefahren solcher Inhalte zu erkennen und sie ermutigen, bei Auffälligkeiten den Vorfall der Polizei zu melden.

Persönlichkeitsrechte: auch online gelten Rechte

Das Recht auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung gelten auch im digitalen Raum. Fotos, Videos und persönliche Informationen dürfen nur mit der Zustimmung des Betroffenen veröffentlicht werden. Doch besonders Jugendliche neigen dazu, persönliche Daten und Bilder unbedacht zu teilen, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Eltern sollten ihre Kinder darauf hinweisen, dass sie ihre Privatsphäre schützen und sich respektvoll im Netz verhalten müssen.

Was können Eltern tun?

Eltern spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, ihre Kinder im digitalen Raum zu schützen. Sie sollten nicht nur über die Gefahren des Internets aufklären, sondern ihren Kindern auch zeigen, wie sie sich sicherheitsbewusst verhalten. Regelmäßige Gespräche über das Onlineverhalten, die Nutzung von Privatsphäre-Einstellungen und das Besprechen von Vorfällen sind dabei unerlässlich. Das Vertrauen der Kinder zu gewinnen und ihre Erlebnisse ernst zu nehmen, sind wesentliche Schritte, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.

„Klasse im Netz“: ein modulares Präventionsprogramm für Schulen

„Klasse im Netz“ ist ein Präventionsprogramm der Polizei Baden-Württemberg, das speziell für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 entwickelt wurde. Es thematisiert die wichtigsten Gefahren der digitalen Welt, wie Cybermobbing, Cybergrooming, Sexting und viele weitere Risiken. Ziel des Programms ist es, sie für diese Gefahren zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, wie sie sich selbst schützen können.

Das Programm ist modular aufgebaut, sodass Schulen flexibel für sie relevante Themen auswählen können. Jede Veranstaltung dauert zwischen zwei und drei Unterrichtseinheiten und umfasst sowohl die Vor- als auch die Nachbereitung im Klassenverband. Besondere Bedeutung wird der Praxisnähe beigemessen: Anhand von Beispielen aus dem Alltag lernen die Schülerinnen und Schüler, die Risiken der digitalen Welt zu erkennen und sich davor zu schützen.

Neben den Schulveranstaltungen gibt es auch Informationsveranstaltungen für Eltern, um diese in den Präventionsprozess einzubinden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Eltern im Umgang mit digitalen Gefahren geschult werden.

Weiterführende Schulen können das Präventionsprogramm „Klasse im Netz“ über die Referate Prävention der regionalen Polizeipräsidien kostenfrei buchen. Eine Übersicht der Ansprechstellen gibt es in auf t1p.de/ansprechstellen.

Die Gefahren des Internets sind vielfältig, aber mit der richtigen Aufklärung und Prävention können wir junge Menschen davor bewahren, in digitale Fallen zu geraten. „Klasse im Netz“ hilft dabei, diese Gefahren zu erkennen und die nötigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Eltern sollten sich der Verantwortung bewusst sein, ihre Kinder im digitalen Raum zu begleiten und zu schützen.

Weitersurfen
Viele Infos und Materialien gibt es auf der Website des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) auf polizei-beratung.de. Hier kann auch die Broschüre „Onlinetipps für Groß und Klein“ mit hilfreichen Tipps heruntergeladen oder bestellt werden.
Speziell für Kinder und Jugendliche gibt es das Internet-Angebot polizeifuerdich.de.
Weitere interessante Angebote rund um sichere Mediennutzung hat der LEB zusammengetragen und in einem Blogbeitrag verlinkt, darunter Websites, Selbsthilfegruppen und Podcasts.

 

Zur Autorin
Angelina Weber ist seit 2024 verantwortlich für den Bereich Mediengefahren bei der Landeskriminalprävention am LKA Baden-Württemberg. Zuvor hat sie einen Magister in Medienwissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen erworben und zahlreiche Jahre als Redakteurin gearbeitet. Ihre wissenschaftliche Weiterbildung im Bereich Social Media Management an der TH Köln vertiefte ihr Fachwissen. Bevor sie ihre aktuelle Position übernahm, war sie mehrere Jahre in der digitalen Kommunikation tätig, wo sie ihre Fähigkeiten in der strategischen Nutzung digitaler Medien weiter ausbauen konnte.