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Ordner SiB, Schuljahr 2025/26, Nr 2, Dezember 2025

SiB, Schuljahr 2025/26, Nr 2, Dezember 2025

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Liebe Leserin. lieber Leser,

rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler gibt es in Baden-Württemberg. Die Biologie sagt mir, dass es also circa 3 Millionen Elternteile an den Schulen im Ländle gibt.
Eltern von Schülerinnen und Schülern sind damit die weitaus größte Interessengruppe im Bildungswesen. 

Manchmal scheint es notwendig das in Erinnerung zu rufen. Zumal Elternmitwirkung oder die viel gerühmte Erziehungspartnerschaft in der Praxis manchmal eben nicht vorkommt oder gar als ins Gegenteil verkehrt wahrgenommen wird. Da kommt es recht überraschend daher, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann für die letzten Monate seiner Amtszeit eben diese Erziehungspartnerschaft als Thema ganz oben auf die Agenda gesetzt hat. Expertengespräche, Workshops, ein Fachtag im Januar: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. 

„Warum erst so spät?“, fragt man sich da ein wenig ratlos. Ein halbes Jahr vor der Wahl und der sicheren Ablösung als Ministerpräsident scheint nicht der beste Zeitpunkt innerhalb der 15-jährigen Amtszeit zu sein, wenn man wirklich noch etwas drehen und nachhaltig verbessern möchte. Auch denkt man zurück an die ein oder andere Begebenheit, wo aus der Villa Reitzenstein manch Bonmot geflogen kam, das man getrost als „Eltern-Bashing“ wahrnehmen konnte: Eltern sollen gefälligst vorlesen, Eltern sollen sich auch mal selbst um ihre Kinder kümmern, Eltern seien gegen Ganztagsschulen, Eltern bräuchten nicht mehr Mitspracherechte. 

Eine gute Freundin erzählte mir neulich, wie verständnislos eine Gymnasiallehrerin in unserer Nachbarschaft berichtet habe, dass es ein Trauerspiel sei: Da sei bei der Verabschiedung der Abiturienten mit feierlicher Zeugnisübergabe eine Schülerin mit iranischem Migrationshintergrund für Bestleistungen ausgezeichnet worden und ihre Eltern seien nicht anwesend gewesen. „Die müssen sich halt schon auch ein bisschen integrieren“, so die Meinung irgendwo zwischen Enttäuschung über die Eltern und Mitleid für die Schülerin. 

Meine Freundin, selbst Italienerin, meinte nur: „Ohne meinen deutschen Mann wüsste ich nicht, dass die Abizeugnisübergabe was Wichtiges ist und wie groß der Abiball gefeiert wird. Das sagt einem ja niemand. Ihr wisst das und erwartet, dass alle anderen das auch wissen.“ Und wieder einmal zeigt auch diese Begebenheit: Information und Aufklärung rund um das Bildungswesen sind wichtiger als je zuvor. Weil das Bildungswesen komplexer und weil die Bevölkerung heterogener ist als früher. 

Der Schlüssel für ein Funktionieren der Erziehungspartnerschaft ist das Gefühl von Augenhöhe. Augenhöhe funktioniert aber nicht durch Bevormundung (verbindliche Grundschulempfehlung oder Entzug der Entscheidungskompetenz der Schulkonferenz bei Ganztagsschul-Umwandlungen), sondern durch Mitnehmen, Erklären, Informieren und Begründen. Das ist vielleicht mühsamer, ist aber gut für Eltern und damit auch für unsere Kinder.

Sebastian Kölsch
Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats

 

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