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Ordner SiB, Schuljahr 2023/24, Nr 2, Dezember 2023

SiB, Schuljahr 2023/24, Nr 2, Dezember 2023

VIER ARTIKEL ALS LESEBROBE FINDEN SIE WEITER UNTEN. HIER DAS VORWORT ZU DIESER AUSGABE:

Liebe Leserin. lieber Leser,

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ 
Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein, dem dieses Zitat zugeschrieben wird, ist quasi Ideengeber für diese Ausgabe der „Schule im Blickpunkt“.

Sprache ist so viel mehr als die Fähigkeit sich artikulieren, lesen oder schreiben zu können. Mit dem Sprachverständnis beginnt die Entdeckung der Welt für jedes Kind. Und mit dem Verständnis für eine neue Sprache mitunter auch für jeden Erwachsenen. Sprache hat deshalb ihren festen Platz in der Schule – nicht nur in Deutsch und im Fremdsprachenunterricht.

Umso interessanter sind die – eigentlich erschreckenden – jüngsten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends. Während die Fähigkeiten und Fertigkeiten in Deutsch erneut zurückgingen, ging es im Fach Englisch aufwärts. Wenn es also nicht grundsätzlich ein Abwärtstrend ist: Woran liegt es denn dann?

Mit der Bedeutung der Sprache für die Teilhabe des Menschen an der Gesellschaft geht natürlich auch die Verpflichtung für uns alle einher, diese Teilhabe zu ermöglichen. Kinder, die im Fach Deutsch bereits in der Grundschule Schwierigkeiten haben, gilt es intensiv zu fördern. Dabei betrifft es nicht einmal lediglich die diagnostizierten Fälle von Lese-Rechtschreib-Schwäche, Legasthenie oder sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Fertigkeiten im Umgang mit Sprache müssen in der Grundschule alle Kinder unabhängig ihrer Herkunft erlernen können. Leseförderung, Sprachförderung, Textverständnis und grammatisches Grundlagenverständnis sind nichts, was weiter führende Schulen leisten müssen sollten. Hier muss dringend nachfokussiert werden, wenn mittelfristig die verschiedenen Vergleichstests wieder nach oben zeigen sollen.

Dabei ist den Grundschulpädagoginnen und -pädagogen gar kein Vorwurf zu machen: Der chronisch unterfinanzierte Primarbereich in Baden-Württemberg ist ja nichts, was das Personal ausgleichen könnte – auch wenn es allerorten nach Kräften versucht wird. Vielmehr müssen die Rahmenbedingungen unterstützend wirken; auch ein verpflichtendes Vorschuljahr im Kindergarten für ein Mindestnieveau an Sprachfertigkeit beim Schuleintritt sollte kein Tabu sein.

Wenn es den Grundschulen gut geht, geht es jeder weiterführenden Schulart besser. Diese Hypothese sollte der kleinste gemeinsame Nenner sein, auf den sich alle Interessengruppen rund ums baden-württembergische Schulsystem einigen können. Zwar sind erste Initiativen in diese Richtung zu sehen, aber eine flächendeckende Umsetzung und die Evaluierung der Wirkung dauern vielen zu lange.

Mein Weihnachtswunsch in diesem Jahr: Die Grundschule stärken und die Sprache als Schlüssel in den Fokus rücken –
für unsere Kinder!

Mit den besten Wünschen für eine schöne Vorweihnachtszeit

Sebastian Kölsch
Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats

Dokumente

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