pdf Klassenzimmer meets Krisenmodus Beliebt
199 Downloads
Warum Schüler heute Journalisten und Journalismus brauchen
Ein Beitrag von Franziska Görner
Journalismus macht Schule
Fake News, Filterblasen, Influencer-Meinungen statt faktenbasierter Information – das ist der tägliche Infopool, in dem sich junge Menschen bewegen. Orientierung? Fehlanzeige, wenn niemand zeigt, wie man zwischen Meinung, Desinformation und Wahrheit unterscheidet. Genau hier setzt „Journalismus macht Schule“ an: Der Verein bringt echte Journalisten ins Klassenzimmer – und mit ihnen die Fähigkeiten, die es heute mehr denn je braucht. Denn wer keine Nachrichtenkompetenz hat, wird zum Spielball in sozialen Medien – und wer keine eigene Meinung bilden kann, bleibt sprachlos, wenn es drauf ankommt.
Laut einer Sonderauswertung der Technischen Universität München zur PISA-Studie können weniger als die Hälfte (47 Prozent) der deutschen Schüler die Qualität der im Internet gefundenen Informationen zuverlässig beurteilen und Fake News erkennen. Diese alarmierenden Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, Nachrichtenkompetenz bereits in der Schule zu fördern. Denn Journalismus kann jungen Menschen die Werkzeuge an die Hand geben, um sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden – kritisch, informiert und demokratisch stark.
Journalismus macht Schule ...?
Der Verein Journalismus macht Schule setzt sich dafür ein, dass junge Menschen lernen, sich kompetent und faktenorientiert zu informieren und eine Meinung zu bilden. Der Verein vertritt die Auffassung, dass sie diese Fähigkeit – Informations- und Nachrichtenkompetenz – in der Schule lernen müssen. Sie sollten wissen, wie moderne Medien funktionieren, wie man Desinformation (Fake News) und manipulative Algorithmen erkennt, und wie man sich jenseits der eigenen TikTok- oder Instagram-Filterblase informiert.
Die Medienwelt verändert sich schnell und fundamental, gerade junge Menschen kommunizieren anders und informieren sich immer stärker über soziale Medien, Podcasts, Influencer und deutlich weniger über etablierte Medien. Das hat Vorteile, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. In erster Linie macht es sie anfällig für Manipulation aller Art, aber auch für politisches Desinteresse und Nachrichtenmüdigkeit. Medien, aber auch Schulen, Universitäten, die Bildungspolitik, die Wissenschaft und Verlage oder Stiftungen haben das erkannt und haben sich 2019 zu „Journalismus macht Schule“ zusammengeschlossen. 2022 wurde dann der Verein gegründet, 2023 die ersten beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen eingestellt. Der Verein sieht seine Arbeit als Teil der politischen Bildung. Denn ohne gut informierte Bürger gibt es keine Demokratie. Beispiele sieht man weltweit in autoritären Systemen aber auch in den USA, wo ein Großteil der Bürgerschaft nicht mehr durch einen faktenbasierten und professionellen Journalismus erreicht wird. Zentrale Werte des Vereins sind Professionalität und Neutralität: Werbung für Medien findet ebenso wenig statt wie für oder gegen eine Partei.
Angebote für Schulen
Das Kernangebot sind Journalisten besuche. Auf Anfrage von Schulen werden Journalisten vermittelt, die in die Klassen kommen (Anmeldung hier: https://journalismus-macht-schule.org/journalistinnenbesuche/). Meist handelt es sich dabei um den Deutsch- oder Politikunterricht. Möglich sind Einheiten aber grundsätzlich in allen Fächern. Das sind oft Doppelstunden, manchmal aber auch ganze Projekttage, meist ab der Jahrgangsstufe 8, manchmal auch darunter.
Folgende Themen werden angesprochen:
- Faktencheck und Quellenbewertung – Was sind Fakten, was sind Behauptungen, Deutungen und Bewertungen? Und wie erkennt man Falschnachrichten?
- Nachrichten in sozialen Medien – Wie gewinne ich mehr Sicherheit bei der Nutzung der zahllosen Angebote, auch der KI-basierten Chat-Bots auf den Plattformen?
- Journalismus im Alltag – Die Bedeutung interessensunabhängiger, sogenannter neutraler Newsmedien für eine demokratische Gesellschaft
- Berufsfeld Journalismus – Einblicke in den journalistischen Arbeitsalltag
Dabei handelt es sich meist um Schulgespräche zwischen den Journalisten und Schüler im Dialogformat auf Augenhöhe. Auch die Journalisten dürfen Fragen stellen. Alle Fragen sind erlaubt, teilweise fließen auch praktische Einheiten mit in die Besuche ein. Damit es nicht nur bei einem Schulbesuch zum Thema bleibt hat der Verein auf der Webseite eine Unterseite eingerichtet, die für Lehrkräfte und alle anderen Interessierten einen Überblick über die Nachrichtenkompetenzangebote im Bundesland gibt, zu denen man sich anmelden kann oder die genutzt werden können.
Baden-Württemberg und Netzwerk
In Baden-Württemberg arbeitet der Verein hier z.B. eng mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Medienanstalt Baden-Württemberg (LFK) und dem SWR zusammen. Daneben bietet der Verein Fortbildungen für Lehrkräfte für die Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz an. Zudem wird politische Lobbyarbeit betrieben, um das Thema langfristig auch bei der Bildungspolitik zu verankern. Dazu arbeitet der Verein mit seinen Mitgliedern oder Partnern, die den Verein inhaltlich unterstützen, zusammen.
Weiterlesen
Wie Eltern ihren Kinder verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen nahebringen und wie Lehrkräfte Journalisten in ihre Klasse einladen können:
Journalismus macht Schule
Zur Autorin
Franziska Görner schrieb schon für die Schülerzeitung, finanzierte sich ihr Studium der Kulturwissenschaften und Erwachsenenpädagogik als freie Journalistin, arbeitete bei der Jugendpresse Deutschland und Reporter ohne Grenzen. Ihr Herz pocht für die junge Generation und für Medien, so kam es zu „Journalismus macht Schule“. Als Projektleitung des 2022 gegründeten Vereins möchte sie erreichen, dass Nachrichten- und Informationskompetenz sich in jedem Klassenzimmer verstetigt und dort verweilt.
