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pdf Eine zustimmende Ablehnung – G9 kommt

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Zumeldung zur G9-Landtags-Debatte

Stuttgart, 17. April 2024. Die geplante Ablehnung des Gesetzentwurfs, den der erfolgreiche Volksanatrag in den Landtag eingebracht hatte, ist kein Misserfolg. Ganz im Gegenteil: G9 wird wieder kommen, da waren sich trotz der Ablehnung alle Redner einig.

„Die Elterninitiative »G9 jetzt BW« war erfolgreich, die fast 107.000 Unterschriften haben die Koalition dazu gezwungen sich des Themas anzunehmen“, deutet Sebastian Kölsch, Vorsitzender des Landeselternbeirats (LEB), die heutige Landtags-Entscheidung. „Natürlich verstehe ich, wenn die eine oder der andere nun ein bisschen enttäuscht sind. Aber ohne den großen ehrenamtlichen Eltern-Einsatz beim Volksantrag wären wir bei der Bildungspolitik immer noch im Stillstand gefangen."

Elternengagement gegen Politik-Phlegma

Die Regierungskoalition hatte vereinbart, in der laufenden Legislatur keine Schulstruktur-Debatten zu führen. Den großen Wunsch nach einer G9-Rückkehr, analog zu allen anderen westdeutschen Flächenländern, hatte die Politik damit jahrelang ignoriert. Auch der LEB hatte sich bereits im Juni 2022 für eine Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums ausgesprochen.

„G9 wird kommen, das sollte spätestens ab heute als sicher gelten. Zum Schuljahr 2025/2026 werden die ersten Kinder in die 5. Klassen kommen, die ihr Abitur nach regulär neun Jahren ablegen und somit endlich wieder mehr Lernzeit haben“, greift Sebastian Kölsch eine Kernforderung sowohl des Volksantrags, wie auch des Bürgerforums und des LEB auf.

Voller Fokus auf Grundschulempfehlung

Kurz vor Weihnachten hatte der LEB neun Impulse zu G9 veröffentlicht. Ein großes Augenmerk galt dabei der Grundschulempfehlung. „Die Zeit drängt, denn die Grundschulempfehlung muss bis zum Jahresanfang 2025 reformiert sein, wenn die neuen Kriterien auf den Übergang zum Schuljahr 25/26 gelten sollen. Bei einer Fortsetzung der aktuellen Praxis wird es eine Unwucht im System geben. Eine gute Überarbeitung der Grundschulempfehlung hat daher für uns oberste Priorität“, verdeutlich Sebastian Kölsch die Zusammenhänge.

Der LEB spricht sich für eine Reform aus, durch die die Grundschulempfehlung verbindlicher würde. Kölsch erklärt: „Es sind nicht ausschließlich Eltern-Entscheidungen, die sich über die Empfehlung hinwegsetzen, es sind auch zahlreiche Fehlempfehlungen darunter. Den Grundschul-Lehrkräften ist hier aber nur bedingt ein Vorwurf zu machen: Die entsprechende Verordnung ist wachsweich.“

Der LEB spricht sich unter anderem für eine Änderung des Notenschnitts in den Hauptfächern oder bei abweichender Elternentscheidung einen Test an der Zielschule aus. Ein verpflichtendes Beratungsgespräch an der Zielschule bei Misserfolg im Test wäre nach diesem Modell die letzte Stufe der verbindlicheren Ausgestaltung.  „Wichtig ist, dass die Grundschul-Lehrkräfte einheitliche Kriterien zur Hand haben und Eltern mehr konkrete Beratung erhalten. Wenn diese auch an der Ziel- statt nur an der Grundschule erfolgt, wird dies den Eltern nochmals wichtige Erkenntnisse liefern“, ist sich Kölsch sicher. Eine weitere Reformidee für die Grundschulempfehlung betrifft die explizite Nennung der Gemeinschaftsschule als eigene Empfehlung.

Die Zeit drängt – grundlegende Strukturreformen verschieben

„Die Zeitnot, die es in den nun verbleibenden Monaten bis zu diesem Zeitpunkt gibt, hat die Politik selbst verschuldet. Bis letzten Sommer und der Ankündigung des Bürgerforums wurde nämlich der Wille von Schülerinnen, Schülern, Eltern und auch vieler Lehrkräfte komplett ignoriert“, erinnert Sebastian Kölsch die politisch Verantwortlichen.

Die in der heutigen Debatte teilweise angesprochene Reform der weiterführenden Schularten sieht Kölsch kritisch: „Es gibt schlechte eingliedrige und gute dreigliedrige Schulsysteme. Die Anzahl der Säulen in der Sekundarstufe 1 hat keine unmittelbare Auswirkung auf die Qualität der Bildung oder die Ergebnisse in den Vergleichs-Rankings. Wir brauchen Unterrichtsqualität und genügend Lehrkräfte – und zwar in allen Schularten. Eine Verquickung der Sekundarstufen-1-Struktur mit dem Thema G9 bringt zum jetzigen Zeitpunkt nichts außer Verzögerung und Verkomplizierung. Die Themen können gut auch getrennt voneinander betrachtet werden.“