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pdf Das zweite Jahr Navi4 – nach wie vor im Blindflug

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Pressemeldung vom 6. Februar 2026

  • Zahlen der Empfehlungs-Anmelde-Kombination vom letzten Jahr fehlen
  • Eltern, nicht die Verbindlichkeit, verhinderten das »Überlaufen« der Gymnasien
  • Eltern nach wie vor verunsichert, weil Information nicht ausreichend ist

Stuttgart, 6. Februar 2026 – Heute werden die Halbjahresinformationen ausgegeben und die Kinder der vierten Klassen erhalten ihre »Empfehlung für den weiteren Bildungsweg«. Diese ist nun zum zweiten Mal als Eingangsbeschränkung fürs Gymnasium konzipiert – aber noch immer ist nicht klar, ob es das überhaupt gebraucht hätte.

„Es gibt offiziell noch keine Zahlen für die Empfehlungen von vor einem Jahr. Wie oft welche Empfehlung ausgesprochen wurde, ist genauso unklar wie die Frage, was Eltern mit dieser Empfehlung gemacht haben. Das ist absolut unverständlich und verhindert jegliche Analyse“, findet Sebastian Kölsch, Vorsitzender des Landeselternbeirats (LEB). 

Die letzte Auswertung ist verfügbar für den letzten Durchgang ohne Verbindlichkeit: Über 20% der Kinder mit Gymnasialempfehlung wurden nicht am Gymnasium angemeldet. An den Realschulen wurden dabei sogar mehr Kinder mit Gymnasialempfehlung als mit Werkrealschulempfehlung angemeldet. „Bei der Wiedereinführung der Verbindlichkeit haben immer alle auf die rund 10% Kinder an Gymnasien geschaut, die dort ohne Gymnasialempfehlung angemeldet wurden. Dabei haben bei knapp 50% gymnasial empfohlenen Kindern die Eltern dafür gesorgt, dass das Gymnasium nicht überlaufen wurde“, betont der LEB-Vorsitzende.

Die Zahlen stützen diese Auslegung: 4.434 Kinder wurden zum Schuljahr 24/25 ohne entsprechende Empfehlung an den Gymnasien des Landes angemeldet. Aber weit mehr als doppelt so viele Kinder (9.299) mit einer solchen Empfehlung wurden von ihren Eltern an anderen Schulen angemeldet und sorgten damit für Entlastung bei den Gymnasien.

„Hauptursache für den »Run« aufs Gymnasium war nicht die 2012 abgeschaffte Verbindlichkeit, sondern die stetig ansteigende Empfehlungsquote fürs Gymnasium“, verdeutlicht Kölsch: „Daher bräuchten wir diese Zahlen nun dringend auch für die letztjährigen neuen Empfehlungen. Nur auf die leicht rückläufige Zahl der Anmeldungen am Gymnasium zu schauen, bestätigt lediglich, dass die relativ geringe Anzahl der zu ambitioniert angemeldeten Kinder nun weggefallen ist. Aber ohne zu wissen, wie es sich mit den Empfehlungen verhält und wie sich die Eltern jenseits des Gymnasiums entschieden haben, gibt keinerlei Aufschluss über die Wirksamkeit von »Navi4«.“ 

Der Landeselternbeirat ist grundsätzlich gegen eine Verbindlichkeit und fordert beharrlich bessere Information und Aufklärung. Noch immer sei vielen Eltern nicht klar, was »Kompass 4« genau sei, und auch die gefühlte Intransparenz bei der Entstehung der »pädagogischen Gesamtwürdigung« gebe Anlass für Anfragen. LEB-Vorsitzender Kölsch: „Das Verfahren ist komplexer geworden, die Erklärungen in verständlicher Form fehlen aber. Eltern verunsichert diese Situation. Wir wünschen uns ein transparentes Verfahren, eine umfangreiche Information und die Vermittlung des Gefühls, dass nicht die nominell vermeintlich beste Schulart immer auch die beste Schulart für jedes Kind ist.“ 

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