pdf Eltern nehmen Erziehungs-Partnerschaft ernst – wenn auch sie ernstgenommen werden Neu
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Zumeldung zur Landespressekonferenz vom 20.01.2026
- Begrüßenswerte Initiative nach Durststrecke der Beschneidung von Mitbestimmung
- Eltern nicht nur Dienstleister, sondern auch Partner in der Schulentwicklung
- Vorhandene gesetzliche Regelung der Erziehungspartnerschaft wird nicht immer gelebt
Stuttgart, 20. Januar 2026 – Der Landeselternbeirat (LEB) begrüßt die Initiative des Staatsministeriums zur Stärkung der Erziehungspartnerschaft. „Mit großem Engagement nehmen einzelne Mitglieder des Gremiums an den Veranstaltungen in diesem Rahmen teil“, bekräftigt LEB-Vorsitzender Sebastian Kölsch die Unterstützung durch die Eltern. „Es ist wichtig, dass nach einer längeren Durststrecke wieder das Gemeinsame betont wird und Eltern als gleichberechtigte Partner wahrgenommen werden.“
Beschneidung der Schulkonferenz und verbindliche Grundschulempfehlung
Die Durststrecke waren politische Entscheidungen der letzten beiden Jahre: Zuerst wurde die Entscheidungshoheit der Schulkonferenz, die zu 50% mit Eltern besetzt ist, bei der Umwandlung in Ganztagsgrundschulen ausgehebelt, dann wurde die Grundschulempfehlung wieder verbindlich. „Diese Regierung hat mit beiden Entscheidungen elterliche Mitbestimmung extrem beschnitten. Die Initiative des Ministerpräsidenten ist daher ein wichtiges Signal der Handreichung an die Eltern im Land“, so Sebastian Kölsch.
Elternrolle während Corona
Die beiden Corona-Schuljahre waren laut Kölsch ein Wendepunkt im Verhältnis Schule/Eltern: „Den Kindern und Jugendlichen wurde mit den Schulschließungen viel zugemutet. Je jünger die Kinder waren, desto mehr wurden auch die Eltern in die Pflicht genommen. Homeschooling hat nicht überall gut funktioniert und nicht wenige Eltern fühlten sich allein gelassen und über Nacht in der Rolle einer Hilfslehrkraft.“ Zweimal wäre das System ohne diese elterliche Unterstützung komplett implodiert. Für den LEB-Vorsitzenden ist klar: „Aus dieser Erfahrung konnte man durchaus ableiten, dass Schule nur mit Eltern und gemeinsam funktioniert. Wo Schule nach Corona aber diese Erfahrung komplett ausblendete, trat bei Eltern zwangsläufig eine gewisse Frustration ein.“
Gesetzliche Regelungen in den Fokus rücken
Gleichwohl erinnert der LEB an die bereits implementierten Bausteine der Erziehungspartnerschaft, die leider vor Ort nicht immer mit Leben gefüllt werden, wie der LEB-Vorsitzende beschreibt: „Schulgesetz, Elternbeiratsverordnung und Schulkonferenzordnung regeln detailliert, welche Mitbestimmungsmöglichkeiten und -rechte Eltern im Kontext Schule haben. Die Umsetzung vor Ort variiert jedoch stark.“ Daran seien nur zum Teil Sprachbarrieren oder fehlende Erreichbarkeit der Eltern schuld: „Die Schulleitung ermöglicht oder verhindert eine partizipative Schulkultur. Deshalb muss Elternarbeit und schulische Demokratie dringend verpflichtender und ausführlicher Baustein in der Ausbildung aller Lehrkräfte und insbesondere in den Fortbildungen für Schulleitungen werden.“
Partizipation auf Augenhöhe ist Garant für funktionierende Erziehungspartnerschaft
Die heute vorgestellten Initiativen wie Familienzentren oder Eltern-Medienbildung sind wichtige Beispiele, wie Eltern besser bei schulischen Curricula mitgenommen werden können. Die seit 60 Jahren gesetzlich verankerten Rechte und deren Wahrung und Erlebbarmachung müssten aber ebenfalls ins Zentrum rücken. „Wenn man Eltern nur als Dienstleister versteht, damit Schule funktioniert, wird Erziehungspartnerschaft nicht funktionieren. Eltern unterstützen gerne und nach Kräften, wenn ihnen andererseits aber auch auf Augenhöhe begegnet wird. Neben Schülerinnen und Schülern einerseits und Lehrkräften andererseits müssen Eltern als gleichberechtigte Partner Schule mitgestalten und -entwickeln können – und wollen das auch“, fasst Sebastian Kölsch zusammen.
