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       <title>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025 - Landeselternbeirat Baden-Württemberg</title>
       <description><![CDATA[<p class="h6">VIER ARTIKEL ALS LESEBROBE FINDEN SIE WEITER UNTEN. HIER DAS VORWORT ZU DIESER AUSGABE:</p>
<p>Liebe Leserin. lieber Leser,</p>
<p>das alte Phänomen, dass als Kind ein Jahr scheinbar viel länger dauerte als heute, wo man erwachsen ist, schlägt dieser Tage wieder zu:<br />Schon wieder ist ein Schuljahr vorbei!?&nbsp;</p>
<p>Hirnforscher erklären dieses Empfinden mit der Tatsache, dass man als Kind viel mehr Neues erlebt und das Gehirn somit viel aktiver ist. Mehr Bilder, mehr Emotionen, mehr Erlerntes – das scheint dann ein längerer Zeitraum gewesen zu sein. Oder andersrum: Im Erwachsenenalter bringen Routine und Bekanntes den Mensch dazu, aufgrund der erlernten Formel „x neue Eindrücke = ein Jahr“ überrascht festzustellen, dass das Jahr schon rum ist, während die neuen Eindrücke noch bei 50% dahindümpeln.&nbsp;</p>
<p>Im Schulbereich war das zu Ende gehende Schuljahr dagegen ja eigentlich voll an neuen Eindrücken.<br />Die aufgrund Zeitmangels etwas hemdsärmlig eingeführte neue Grundschulempfehlung, die fehlende Rechtssicherheit dazu bis im Januar, der in Mathe misslungene Kompass 4, der erstmalige Potenzialtest, die Vorbereitungen auf das neue G9 und auf SprachFit, der Geldsegen für die Startchancen-Schulen:<br />Nein, langweilig geht in der Tat anders.&nbsp;</p>
<p>Auch der Landeselternbeirat konnte sich nicht über Arbeitsmangel beklagen. Neben den bereits erwähnten Ereignissen hielten intern vor allem zwei Themen in Atem: das Jubiläum „60 Jahre Landeselternbeirat“ und die 2026 anstehende Wahl zum 21. LEB.<br />Gerade die Vorbereitung auf den „Geburtstag“ brachte eine gehörige Ladung an neuen Eindrücken und Erkenntnissen mit sich, die insbesondere durch stundenlanges Schmökern in den bisherigen 57 Jahrgängen der „Schule im&nbsp;Blickpunkt“ befeuert wurden. Die wichtigste&nbsp;Erkenntnis:&nbsp;Bereits zu Beginn des Gremiums war eines der drängendsten Probleme der Lehrkräftemangel.&nbsp;Damals beruhte er zwar auf der fehlenden Bewilligung der benötigten Stellen und nicht auf den fehlenden Menschen. Die Tatsache, dass es heute an beiden Faktoren liegt, ist dabei nur ein schwacher Trost ...&nbsp;</p>
<p>Die zweite anstehende Herkulesaufgabe ist die Organisation der Wahlen zum 21. Landeselternbeirat.&nbsp;Dabei setzt der LEB&nbsp;sein wichtigstes Ziel um, das auf der Klausurtagung im April 2023 formuliert wurde:<br />Die Wahlen werden digital ablaufen.<br />Kein Elternbeirats-Vorsitzender und keine Kandidatin müssen mehr quer durch die Regierungsbezirke tingeln, um abzustimmen bzw. sich zur Wahl zu stellen. Die Hürden für Kandidatur und Stimmabgabe werden deutlich gesenkt, die öffentlichen Kandidierendenlisten ermöglichen eine Beratung über die Stimmabgabe in den örtlichen Elternbeiratsgremien.<br />Wir erhoffen uns dadurch einen deutlichen Schub an Transparenz und Partizipation&nbsp;–&nbsp;und der LEB wird somit für die nächsten 60 Jahre gestärkt. Über alles Wissenswerte rund um die Wahl informieren wir im kommenden Schuljahr.&nbsp;</p>
<p>Einstweilen wünsche ich erholsame, schöne Sommerferien: für alle Eltern, für alle Lehrkräfte und an Schule Beschäftigten und&nbsp;vor allem<br /><strong>für unsere Kinder.</strong></p>
<p>Sebastian Kölsch<br />Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats</p>
<p>&nbsp;</p>]]></description>
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           <title>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025 - Landeselternbeirat Baden-Württemberg</title>
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           <title>Klassenzimmer meets Krisenmodus</title>
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           <media:title type="plain">Klassenzimmer meets Krisenmodus</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h3>Warum Schüler heute Journalisten und Journalismus brauchen</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Franziska Görner</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Journalismus macht Schule</span></p>
<p>Fake News, Filterblasen, Influencer-Meinungen statt faktenbasierter Information – das ist der tägliche Infopool, in dem sich junge Menschen bewegen. Orientierung? Fehlanzeige, wenn niemand zeigt, wie man zwischen Meinung, Desinformation und Wahrheit unterscheidet. Genau hier setzt „Journalismus macht Schule“ an: Der Verein bringt echte Journalisten ins Klassenzimmer – und mit ihnen die Fähigkeiten, die es heute mehr denn je braucht. Denn wer keine Nachrichtenkompetenz hat, wird zum Spielball in sozialen Medien – und wer keine eigene Meinung bilden kann, bleibt sprachlos, wenn es drauf ankommt.</p>
<p>Laut einer Sonderauswertung der Technischen Universität München zur PISA-Studie können weniger als die Hälfte (47 Prozent) der deutschen Schüler die Qualität der im Internet gefundenen Informationen zuverlässig beurteilen und Fake News erkennen. Diese alarmierenden Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, Nachrichtenkompetenz bereits in der Schule zu fördern. Denn Journalismus kann jungen Menschen die Werkzeuge an die Hand geben, um sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden – kritisch, informiert und demokratisch stark.</p>
<h4><strong>Journalismus macht Schule ...?</strong></h4>
<p>Der Verein Journalismus macht Schule setzt sich dafür ein, dass junge Menschen lernen, sich kompetent und faktenorientiert zu informieren und eine Meinung zu bilden. Der Verein vertritt die Auffassung, dass sie diese Fähigkeit – Informations- und Nachrichtenkompetenz – in der Schule lernen müssen. Sie sollten wissen, wie moderne Medien funktionieren, wie man Desinformation (Fake News) und manipulative Algorithmen erkennt, und wie man sich jenseits der eigenen TikTok- oder Instagram-Filterblase informiert.</p>
<p>Die Medienwelt verändert sich schnell und fundamental, gerade junge Menschen kommunizieren anders und informieren sich immer stärker über soziale Medien, Podcasts, Influencer und deutlich weniger über etablierte Medien. Das hat Vorteile, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. In erster Linie macht es sie anfällig für Manipulation aller Art, aber auch für politisches Desinteresse und Nachrichtenmüdigkeit. Medien, aber auch Schulen, Universitäten, die Bildungspolitik, die Wissenschaft und Verlage oder Stiftungen haben das erkannt und haben sich 2019 zu „Journalismus macht Schule“ zusammengeschlossen. 2022 wurde dann der Verein gegründet, 2023 die ersten beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen eingestellt. Der Verein sieht seine Arbeit als Teil der politischen Bildung. Denn ohne gut informierte Bürger gibt es keine Demokratie. Beispiele sieht man weltweit in autoritären Systemen aber auch in den USA, wo ein Großteil der Bürgerschaft nicht mehr durch einen faktenbasierten und professionellen Journalismus erreicht wird. Zentrale Werte des Vereins sind Professionalität und Neutralität: Werbung für Medien findet ebenso wenig statt wie für oder gegen eine Partei.</p>
<h4><strong>Angebote für Schulen</strong></h4>
<p>Das Kernangebot sind Journalisten besuche. Auf Anfrage von Schulen werden Journalisten vermittelt, die in die Klassen kommen (Anmeldung hier: <a href="https://journalismus-macht-schule.org/journalistinnenbesuche/" target="_blank" rel="noopener">https://journalismus-macht-schule.org/journalistinnenbesuche/</a>). Meist handelt es sich dabei um den Deutsch- oder Politikunterricht. Möglich sind Einheiten aber grundsätzlich in allen Fächern. Das sind oft Doppelstunden, manchmal aber auch ganze Projekttage, meist ab der Jahrgangsstufe 8, manchmal auch darunter. <br />Folgende Themen werden angesprochen:</p>
<ul>
<li>Faktencheck und Quellenbewertung – Was sind Fakten, was sind Behauptungen, Deutungen und Bewertungen? Und wie erkennt man Falschnachrichten?</li>
<li>Nachrichten in sozialen Medien – Wie gewinne ich mehr Sicherheit bei der Nutzung der zahllosen Angebote, auch der KI-basierten Chat-Bots auf den Plattformen?</li>
<li>Journalismus im Alltag – Die Bedeutung interessensunabhängiger, sogenannter neutraler Newsmedien für eine demokratische Gesellschaft</li>
<li>Berufsfeld Journalismus – Einblicke in den journalistischen Arbeitsalltag</li>
</ul>
<p>Dabei handelt es sich meist um Schulgespräche zwischen den Journalisten und Schüler im Dialogformat auf Augenhöhe. Auch die Journalisten dürfen Fragen stellen. Alle Fragen sind erlaubt, teilweise fließen auch praktische Einheiten mit in die Besuche ein. Damit es nicht nur bei einem Schulbesuch zum Thema bleibt hat der Verein auf der Webseite eine Unterseite eingerichtet, die für Lehrkräfte und alle anderen Interessierten einen Überblick über die Nachrichtenkompetenzangebote im Bundesland gibt, zu denen man sich anmelden kann oder die genutzt werden können.</p>
<h4><strong>Baden-Württemberg und Netzwerk</strong></h4>
<p>In Baden-Württemberg arbeitet der Verein hier z.B. eng mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Medienanstalt Baden-Württemberg (LFK) und dem SWR zusammen. Daneben bietet der Verein Fortbildungen für Lehrkräfte für die Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz an. Zudem wird politische Lobbyarbeit betrieben, um das Thema langfristig auch bei der Bildungspolitik zu verankern. Dazu arbeitet der Verein mit seinen Mitgliedern oder Partnern, die den Verein inhaltlich unterstützen, zusammen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-info" style="padding: 20px;"><strong>Weiterlesen<br /></strong>Wie Eltern ihren Kinder verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen nahebringen und wie Lehrkräfte Journalisten in ihre Klasse einladen können:<br /><a href="https://kurzlinks.de/j-m-s" target="_blank" rel="noopener">Journalismus macht Schule</a></p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Autorin</strong><br />Franziska Görner schrieb schon für die Schülerzeitung, finanzierte sich ihr Studium der Kulturwissenschaften und Erwachsenenpädagogik als freie Journalistin, arbeitete bei der Jugendpresse Deutschland und Reporter ohne Grenzen. Ihr Herz pocht für die junge Generation und für Medien, so kam es zu „Journalismus macht Schule“. Als Projektleitung des 2022 gegründeten Vereins möchte sie erreichen, dass Nachrichten- und Informationskompetenz sich in jedem Klassenzimmer verstetigt und dort verweilt.</p>]]></media:description>
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           <description><![CDATA[<h3>Warum Schüler heute Journalisten und Journalismus brauchen</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Franziska Görner</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Journalismus macht Schule</span></p>
<p>Fake News, Filterblasen, Influencer-Meinungen statt faktenbasierter Information – das ist der tägliche Infopool, in dem sich junge Menschen bewegen. Orientierung? Fehlanzeige, wenn niemand zeigt, wie man zwischen Meinung, Desinformation und Wahrheit unterscheidet. Genau hier setzt „Journalismus macht Schule“ an: Der Verein bringt echte Journalisten ins Klassenzimmer – und mit ihnen die Fähigkeiten, die es heute mehr denn je braucht. Denn wer keine Nachrichtenkompetenz hat, wird zum Spielball in sozialen Medien – und wer keine eigene Meinung bilden kann, bleibt sprachlos, wenn es drauf ankommt.</p>
<p>Laut einer Sonderauswertung der Technischen Universität München zur PISA-Studie können weniger als die Hälfte (47 Prozent) der deutschen Schüler die Qualität der im Internet gefundenen Informationen zuverlässig beurteilen und Fake News erkennen. Diese alarmierenden Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, Nachrichtenkompetenz bereits in der Schule zu fördern. Denn Journalismus kann jungen Menschen die Werkzeuge an die Hand geben, um sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden – kritisch, informiert und demokratisch stark.</p>
<h4><strong>Journalismus macht Schule ...?</strong></h4>
<p>Der Verein Journalismus macht Schule setzt sich dafür ein, dass junge Menschen lernen, sich kompetent und faktenorientiert zu informieren und eine Meinung zu bilden. Der Verein vertritt die Auffassung, dass sie diese Fähigkeit – Informations- und Nachrichtenkompetenz – in der Schule lernen müssen. Sie sollten wissen, wie moderne Medien funktionieren, wie man Desinformation (Fake News) und manipulative Algorithmen erkennt, und wie man sich jenseits der eigenen TikTok- oder Instagram-Filterblase informiert.</p>
<p>Die Medienwelt verändert sich schnell und fundamental, gerade junge Menschen kommunizieren anders und informieren sich immer stärker über soziale Medien, Podcasts, Influencer und deutlich weniger über etablierte Medien. Das hat Vorteile, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. In erster Linie macht es sie anfällig für Manipulation aller Art, aber auch für politisches Desinteresse und Nachrichtenmüdigkeit. Medien, aber auch Schulen, Universitäten, die Bildungspolitik, die Wissenschaft und Verlage oder Stiftungen haben das erkannt und haben sich 2019 zu „Journalismus macht Schule“ zusammengeschlossen. 2022 wurde dann der Verein gegründet, 2023 die ersten beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen eingestellt. Der Verein sieht seine Arbeit als Teil der politischen Bildung. Denn ohne gut informierte Bürger gibt es keine Demokratie. Beispiele sieht man weltweit in autoritären Systemen aber auch in den USA, wo ein Großteil der Bürgerschaft nicht mehr durch einen faktenbasierten und professionellen Journalismus erreicht wird. Zentrale Werte des Vereins sind Professionalität und Neutralität: Werbung für Medien findet ebenso wenig statt wie für oder gegen eine Partei.</p>
<h4><strong>Angebote für Schulen</strong></h4>
<p>Das Kernangebot sind Journalisten besuche. Auf Anfrage von Schulen werden Journalisten vermittelt, die in die Klassen kommen (Anmeldung hier: <a href="https://journalismus-macht-schule.org/journalistinnenbesuche/" target="_blank" rel="noopener">https://journalismus-macht-schule.org/journalistinnenbesuche/</a>). Meist handelt es sich dabei um den Deutsch- oder Politikunterricht. Möglich sind Einheiten aber grundsätzlich in allen Fächern. Das sind oft Doppelstunden, manchmal aber auch ganze Projekttage, meist ab der Jahrgangsstufe 8, manchmal auch darunter. <br />Folgende Themen werden angesprochen:</p>
<ul>
<li>Faktencheck und Quellenbewertung – Was sind Fakten, was sind Behauptungen, Deutungen und Bewertungen? Und wie erkennt man Falschnachrichten?</li>
<li>Nachrichten in sozialen Medien – Wie gewinne ich mehr Sicherheit bei der Nutzung der zahllosen Angebote, auch der KI-basierten Chat-Bots auf den Plattformen?</li>
<li>Journalismus im Alltag – Die Bedeutung interessensunabhängiger, sogenannter neutraler Newsmedien für eine demokratische Gesellschaft</li>
<li>Berufsfeld Journalismus – Einblicke in den journalistischen Arbeitsalltag</li>
</ul>
<p>Dabei handelt es sich meist um Schulgespräche zwischen den Journalisten und Schüler im Dialogformat auf Augenhöhe. Auch die Journalisten dürfen Fragen stellen. Alle Fragen sind erlaubt, teilweise fließen auch praktische Einheiten mit in die Besuche ein. Damit es nicht nur bei einem Schulbesuch zum Thema bleibt hat der Verein auf der Webseite eine Unterseite eingerichtet, die für Lehrkräfte und alle anderen Interessierten einen Überblick über die Nachrichtenkompetenzangebote im Bundesland gibt, zu denen man sich anmelden kann oder die genutzt werden können.</p>
<h4><strong>Baden-Württemberg und Netzwerk</strong></h4>
<p>In Baden-Württemberg arbeitet der Verein hier z.B. eng mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Medienanstalt Baden-Württemberg (LFK) und dem SWR zusammen. Daneben bietet der Verein Fortbildungen für Lehrkräfte für die Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz an. Zudem wird politische Lobbyarbeit betrieben, um das Thema langfristig auch bei der Bildungspolitik zu verankern. Dazu arbeitet der Verein mit seinen Mitgliedern oder Partnern, die den Verein inhaltlich unterstützen, zusammen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-info" style="padding: 20px;"><strong>Weiterlesen<br /></strong>Wie Eltern ihren Kinder verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen nahebringen und wie Lehrkräfte Journalisten in ihre Klasse einladen können:<br /><a href="https://kurzlinks.de/j-m-s" target="_blank" rel="noopener">Journalismus macht Schule</a></p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Autorin</strong><br />Franziska Görner schrieb schon für die Schülerzeitung, finanzierte sich ihr Studium der Kulturwissenschaften und Erwachsenenpädagogik als freie Journalistin, arbeitete bei der Jugendpresse Deutschland und Reporter ohne Grenzen. Ihr Herz pocht für die junge Generation und für Medien, so kam es zu „Journalismus macht Schule“. Als Projektleitung des 2022 gegründeten Vereins möchte sie erreichen, dass Nachrichten- und Informationskompetenz sich in jedem Klassenzimmer verstetigt und dort verweilt.</p>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025</category>
           <pubDate>Sat, 26 Jul 2025 17:15:32 +0200</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Regional Kleingedrucktes</title>
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           <media:title type="plain">Regional Kleingedrucktes</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h3>Unterschiede anspruchsvoller gymnasialer Bildungsgänge in Berlin, Sachsen, Schleswig-Holstein und dem Saarland</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Zara Zerbe</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Freie Autorin</span></p>
<p>„Ein 1,0-Abitur aus Hamburg wäre in Bayern nur eine 3,0!“ – geht es um die schwierige Vergleichbarkeit der Schulen im föderalen Bildungssystem, bringt das Gymnasium eine Menge Diskussionsstoff mit. Ist es fair, dass der Numerus Clausus an den deutschen Hochschulen sich in erster Linie nach der Abiturnote richtet, wenn die Gymnasien in den einzelnen Bundesländern auf unterschiedlichen Rechenwegen zu dieser Note kommen? Und werden an dieser prestigeträchtigen Schulform tatsächlich nur die begabtesten Schülerinnen und Schüler unterrichtet, wenn der Zugang zum Gymnasium immer noch erkennbar an sozioökonomische Faktoren geknüpft ist?</p>
<p>Diese Frage kann man sich zurecht stellen, doch am Kulturgut Gymnasium wird in der Bildungspolitik traditionell nicht gerüttelt. Selbst dem Zentralabitur tat man sich lange schwer – allerdings gibt seit 2017 ein bundesweites Zentralabi mit einem gemeinsamen Aufgabenpool in den Fächern Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch. Die Oberstufenvereinbarung der Kultusministerkonferenz von 2023 soll mit einer Anpassung des Kurssystems und einheitlichen Regelungen bei Klausuren bis 2030 für eine bessere Vergleichbarkeit der gymnasialen Abschlüsse sorgen. Doch wie unterschiedlich funktionieren die Gymnasien in den einzelnen Bundesländern wirklich? Und wie steht es um die Bildungsgerechtigkeit und die Zukunftsfähigkeit dieser Schulform? Ein Vergleich.</p>
<h4><strong>Sachsen: Individuelle Profile und hohe Schulqualität</strong></h4>
<p>Obwohl Bayern als das Bundesland mit den besten Schulen gilt, steht der Freistaat Sachsen im Bildungsmonitor 2024 auf Platz 1 in der Bewertung der Schulqualität in den einzelnen Bundesländern. Wie die anderen ostdeutschen Bundesländer setzt Sachsen auf ein zweigliedriges System ab der 5. Klasse, das sich aus Oberschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien zusammensetzt. Die sächsischen Gymnasien haben etwas weniger Zulauf als die Oberschulen: Im Schuljahr 2023/24 waren 110.969 Schülerinnen und Schüler an einem Gymnasium angemeldet, während 122.039 eine Oberschule besuchten. Die Bildungsempfehlungen in der 4. Klasse sind in Sachsen nicht bindend, sodass jedes Kind nach der Grundschule ein Gymnasium besuchen kann. Die Jahrgänge 5 und 6 sind als Orientierungsphase konzipiert. Die Lehrpläne sind daher mit der Oberschule abgestimmt, um unkomplizierte Schulwechsel zu ermöglichen. Daneben werden ab der 5. Klasse an den meisten Gymnasien Förderunterricht für leistungsstärkere oder -schwächere Schüler, Freiarbeit oder Kurse zur Vermittlung von Lerntechniken angeboten. Eine Besonderheit an den sächsischen Gymnasien sind die Schulprofile: Hier haben die Schulen die Möglichkeit, eigene Profile z.B. mit gesellschaftswissenschaftlichen, künstlerischen, naturwissenschaftlichen und sportlichen Schwerpunkten zu entwickeln, regionale Besonderheiten in den Unterricht aufzunehmen oder in Bereichen wie der Berufs- und Studienorientierung, der Medienbildung, der politischen Bildung sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung die Schulentwicklung unterstützen. Ab der 8. Klasse sind zwei Unterrichtsstunden pro Woche für den Profilunterricht festgelegt. Alternativ kann ab diesem Jahrgang eine dritte Fremdsprache gewählt werden.</p>
<p>Da das Abitur in Sachsen nach 8 Jahren abgelegt wird, beginnt die Vorbereitung auf die Oberstufe bereits in der 10. Klasse. In der Qualifikationsphase in der 11. und 12. Klasse wird im Kurssystem mit 2 Leistungskursen unterrichtet, von denen einer Mathematik oder Deutsch sein muss. Der zweite Leistungskurs kann eine fortgeführte Fremdsprache, Physik oder Geschichte sowie an einigen Gymnasien auch Kunst oder Chemie oder Biologie sein. Die Grundkurse können aus dem übrigen Fächerangebot gewählt werden. Die Abiturprüfung erfordert schriftliche Prüfungen in den Leistungskursen sowie in einem Grundkurs. Ebenfalls wird eine mündliche Prüfung in einem Grundkursfach abgelegt. Optional kann auch die Besondere Lernleistung (BELL) Bestandteil der Abiturprüfung sein: Dabei können die Schülerinnen und Schüler eine schriftliche Arbeit mit wissenschaftspropädeutischem Anspruch zu einem selbstgewählten Thema anfertigen. Diese Arbeit wird in einem Kolloquium verteidigt und hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität vorbereitet werden.</p>
<h4><strong>Berlin: Flexible Vorgaben, geringe Durchfallquote</strong></h4>
<p>In Berlin findet der Wechsel an die weiterführenden Schulen erst nach der 6. Klasse statt, wobei besonders begabte Kinder bereits ab der 5. Klasse auf bestimmte Gymnasien – etwa 40 von 95 Gymnasien in der Hauptstadt – wechseln können. Im aktuellen Schuljahr besuchen 85.503 Schülerinnen und Schüler eines der Berliner Gymnasien. Damit haben sie erkennbar weniger Zulauf als die Gesamt- und Gemeinschaftsschulen, die aktuell 114.053 Schülerinnen und Schüler zählen. In Die Klasse 7 gilt als Probejahr, in dem sich entscheidet, ob die Schülerinnen und Schüler mit ihren Fähigkeiten und Leistungen für das Gymnasium geeignet sind. Im Schuljahr 2023/24 haben von 10.955 Siebtklässlern 951 nach dem Probejahr auf eine andere Schulform gewechselt – interessanterweise liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, mit 568 deutlich über der Hälfte.</p>
<p>Ähnlich wie Sachsen hat auch Berlin Gymnasien mit bestimmten Schulprofilen, die individuell von den Schulen gestaltet werden. Die Schulprofile bringen nicht nur unterschiedliche Optionen für den Wahlpflichtunterricht oder optionale Erhöhungen der Wochenstundenzahlen in bestimmten Fächern mit sich, sondern können z.B. auch in fächerübergreifenden Schulprojekten umgesetzt werden.</p>
<p>In der Sekundarstufe 2, die durch G8 die Jahrgänge 11 und 12 umfasst, werden zwei Leistungskurse gewählt und die übrigen Fächer auf Grundkursniveau belegt. Die Prüfungsfächer im Abitur sind neben den beiden Leistungskursen zwei Grundkurse sowie die sogenannte fünfte Prüfungskomponente: Hier erarbeiten die Schülerinnen und Schüler allein, in Partner- oder Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema, das sich mindestens einem der zugelassenen Prüfungsfächer zuordnen lässt. Die Prüfungsleistung ist entweder eine Präsentationsprüfung in Form einer kurzen schriftlichen Ausarbeitung sowie einer Präsentation mit anschließendem Prüfungsgespräch, oder eine 20-seitige Ausarbeitung – die Besondere Lernleistung (BLL) –, die ebenfalls vor einem Kolloquium verteidigt wird. Allgemein sind in Berlin die Vorgaben bei der Wahl der Prüfungsfächer eher locker – die einzige Vorgabe ist, dass jedes der drei Aufgabenfelder (I: sprachlich-künstlerisch-musisch; II: gesellschaftswissenschaftlich; III: mathematisch-naturwissenschaftlich- technisch) mindestens einmal vertreten sein muss. Zwar bildet Berlin im Bildungsmonitor 2024 das Schlusslicht hinsichtlich der Schulqualität, doch an den Gymnasien allein scheint dies nicht zu liegen. Im Abiturjahrgang 2024 hatte Berlin mit 3 % die bundesweit niedrigste Durchfallquote – die Schülerinnen und Schüler werden hier offenbar gut auf das Abitur vorbereitet.</p>
<h4><strong>Schleswig-Holstein: Oberstufe mit Profil</strong></h4>
<p>Das Land zwischen den Meeren gehört zu den Bundesländern, die ihre Gymnasien im Zuge der Schulreformen nach der verheerenden PISA-Studie von 2003 von G9 auf G8 umgestellt haben, diese Reform allerdings zum Schuljahr 2019/20 wieder zurückgenommen haben. Nur ein Gymnasium in Schleswig-Holstein bleibt ein reines G8-Gymnasium. Vier weitere haben sich für das Y-Modell entschieden, d.h. sie bieten sowohl einen Bildungsgang mit 8 als auch mit 9 Jahren auf dem Gymnasium an. Ähnlich der Schulprofile in den andere Bundesländern gibt es in Schleswig-Holstein zahlreiche Gymnasien mit thematischen Schwerpunkten, wie z.B. mit bilingualen Klassen, einem altsprachlichen oder französischen Zweig, einem Kunst- oder Musikzweig. Aufgrund der Nachbarschaft zu Dänemark bieten viele Schulen neben den gängigen Fremdsprachen auch Dänisch als dritte Fremdsprache an.</p>
<p>Ähnlich wie Niedersachsen und Hamburg hat Schleswig-Holstein zum Schuljahr 2008/09 die Profiloberstufe eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich vor dem Eintritt in die Qualifikationsphase in der 12. Klasse für ein Profil, aus dem sie ein Profilfach auf Leistungskursniveau belegen. Das MINT-, das sprachliche und das gesellschaftswissenschaftliche Profil bieten alle Gymnasien an, während es von den Schülerzahlen und der Ausstattung an Lehrkräften abhängt, ob die Schulen auch ein ästhetisches oder ein sportliches Profil anbieten. Jede Schule gestaltet ihre Profile thematisch und interdisziplinär, etwa durch ein Profilseminar oder ein zusätzliches Pflichtfach. Zusätzlich zu dem Profilfach müssen zwei der drei Kernfächer (Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache, meist Englisch) auf erhöhtem Niveau belegt werden. Die übrigen Fächer werden in Grundkursen belegt. Die Anzahl der Prüfungsfächer auf erhöhtem Niveau wurde im Zuge einer weiteren Oberstufenreform im Jahr 2020 bereits um ein Fach eingekürzt, da sich die vorherige Konstellation als zu große Belastung für die Schülerinnen und Schüler herausgestellt hat. Wie in anderen Bundesländern kann auch in Schleswig-Holstein eine Besondere Lernleistung in die Abiturprüfung eingebracht werden. Eine Besonderheit ist hier außerdem die berufliche Orientierung, die mit einem verpflichtenden Wirtschaftspraktikum in der 12. Klasse gefördert werden soll.</p>
<h4><strong>Saarland: Schülerfreundliche Reformen in der Mittelstufe</strong></h4>
<p>Auch das Saarland hat seine Gymnasien von G8 auf G9 umgestellt – und zwar recht aktuell zum Schuljahr 2023/24. Diese Reform soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler zu entlasten und eine frühere Profilbildung und individuelle Förderung nach persönlichen Fähigkeiten und Interessen in der Schullaufbahn zu ermöglichen. Diese findet im neunjährigen Gymnasium ab der 8. Klasse statt: Die Schülerinnen wählen hier ein Unterrichtsangebot aus dem sprachlichen, naturwissenschaftlichen, technischen, sportlichen oder musisch-künstlerischen Zweig, das insgesamt 12 Wochenstunden beansprucht. Außerdem ist Informatik ab der 8. Klasse ein Pflichtfach. Außerdem wird mit dieser Reform ein besonderes Augenmerk auf die Neuankömmlinge am Gymnasium gesetzt. Die Jahrgänge 5 und 6 gelten als pädagogische Einheit, d.h. die Versetzungsentscheidung fällt nach der 5. Klasse per se weg. Durch das zusätzliche Schuljahr erhalten die Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Grundschule ans Gymnasium in den Anfangsklassen mehr Zeit zum Ankommen mit individueller Förderung und vertieftem Üben und Wiederholen – insbesondere in den Kernfächern.</p>
<p>Die Oberstufe hat durch die Reformen etwas an Flexibilität gewonnen: Zwar müssen weiterhin insgesamt 5 Prüfungsfächer gewählt werden, von denen zwei auf erhöhtem Niveau unterrichtet werden. Von den beiden Fächern auf Leistungskursniveau muss allerdings nur noch eins in den Kernfächern liegen, das zweite kann frei aus dem Fächerangebot gewählt werden – wobei es auch hier auf die Ausstattung und Schülerzahlen ankommt, da in dem peripher gelegenen, kleinen Bundesland die Möglichkeiten deutlich begrenzter sind als z.B. in Berlin. Außerdem müssen nur noch 2 der drei Kernfächer insgesamt in den Prüfungsfächern abgebildet sein.</p>
<h4><strong>Fazit: Zwischen Anspruch und Vergleichbarkeit – Abitur im föderalen Flickenteppich</strong></h4>
<p>Trotz wachsender Bemühungen um eine stärkere Vereinheitlichung – etwa durch den gemeinsamen Aufgabenpool im Zentralabitur oder die neue Oberstufenvereinbarung der Kultusministerkonferenz (gültig ab 2023) – bleibt die Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse in Deutschland ein schwieriges Thema. Zwar legt diese Vereinbarung erstmals bundesweit einheitliche Mindeststandards für Fächerwahl, Kursbelegung und Prüfungsformate fest, doch bleibt viel Interpretationsspielraum in der Umsetzung: Etwa bei der Profilgestaltung, den erlaubten Prüfungsformaten oder der konkreten Stundenverteilung. Berlin etwa bietet hohe Flexibilität bei der Kurswahl und verzeichnet zugleich eine niedrige Durchfallquote, während in anderen Bundesländern wie Sachsen oder Bayern die Anforderungen als deutlich strenger gelten. Solche Unterschiede werfen Fragen auf: Ist es gerecht, wenn Hochschulzugänge primär an die Abiturnote gekoppelt sind, obwohl diese unter völlig verschiedenen Bedingungen zustande kommt?</p>
<p>Auch bei der Bildungsgerechtigkeit bestehen weiterhin strukturelle Unterschiede: Der Zugang zum Gymnasium hängt vielerorts immer noch von der sozialen Herkunft ab – trotz Bemühungen wie einer längeren Orientierungsphase (Saarland), offeneren Bildungsempfehlungen (Sachsen) oder stärker individualisierten Profilwegen (Schleswig-Holstein).</p>
<p>Die neue Oberstufenvereinbarung ist ein wichtiger Schritt zu mehr Einheitlichkeit, doch solange nicht auch die Bildungsbedingungen selbst vergleichbarer werden, bleibt das Abitur in Deutschland ein Abschluss mit vielen Gesichtern, dessen Gestaltung auch in der Zukunft für viel Diskussionsstoff sorgen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-info" style="padding: 20px;"><strong>Weiterlesen<br /></strong>In der SiB-Serie „Ländervergleich“ der Kieler Autorin Zara Zerbe sind neben dem aktuellen Blick auf die Gymnasien bereits in vorherigen Ausgaben Grundschulen, Gesamtschul-Konzepte und Realschulen beleuchtet worden. <br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-3-maerz-2025/981-kurze-beine-kurze-wege">Kurze Beine, kurze Wege<br />Grundschulen in BY, HE, RP, TH</a><br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-4-april-2025/990-gemeinsam-im-norden">Gemeinsam im Norden<br />Gesamtschulen in HB, HH, MV, SH</a><br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-5-juni-2025/999-einmal-hin-alles-drin">Einmal hin – alles drin<br />Realschule in BY, HE, NI, NRW</a></p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Autorin</strong><br />Zara Zerbe hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert und lebt und arbeitet als freie Autorin in Kiel. Dort ist sie Mitherausgeberin des Literaturmagazins „der Schnipsel“ und hostet den Podcast „Literarisch, Solidarisch“ mit Hatice Açıkgöz und Dara Brexendorf. Sie arbeitet zu Umwelt-, Bildungs- und Zukunftsthemen sowie zu sozialer Gerechtigkeit. 2024 ist ihr Debütroman „Phytopia Plus“ im Verbrecher Verlag erschienen. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kunstförderpreis des Landes Schleswig-Holstein und dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar.</p>]]></media:description>
                      <guid isPermaLink="true">https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-6-juli-2025/1011-regional-kleingedrucktes?format=html</guid>
           <description><![CDATA[<h3>Unterschiede anspruchsvoller gymnasialer Bildungsgänge in Berlin, Sachsen, Schleswig-Holstein und dem Saarland</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Zara Zerbe</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Freie Autorin</span></p>
<p>„Ein 1,0-Abitur aus Hamburg wäre in Bayern nur eine 3,0!“ – geht es um die schwierige Vergleichbarkeit der Schulen im föderalen Bildungssystem, bringt das Gymnasium eine Menge Diskussionsstoff mit. Ist es fair, dass der Numerus Clausus an den deutschen Hochschulen sich in erster Linie nach der Abiturnote richtet, wenn die Gymnasien in den einzelnen Bundesländern auf unterschiedlichen Rechenwegen zu dieser Note kommen? Und werden an dieser prestigeträchtigen Schulform tatsächlich nur die begabtesten Schülerinnen und Schüler unterrichtet, wenn der Zugang zum Gymnasium immer noch erkennbar an sozioökonomische Faktoren geknüpft ist?</p>
<p>Diese Frage kann man sich zurecht stellen, doch am Kulturgut Gymnasium wird in der Bildungspolitik traditionell nicht gerüttelt. Selbst dem Zentralabitur tat man sich lange schwer – allerdings gibt seit 2017 ein bundesweites Zentralabi mit einem gemeinsamen Aufgabenpool in den Fächern Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch. Die Oberstufenvereinbarung der Kultusministerkonferenz von 2023 soll mit einer Anpassung des Kurssystems und einheitlichen Regelungen bei Klausuren bis 2030 für eine bessere Vergleichbarkeit der gymnasialen Abschlüsse sorgen. Doch wie unterschiedlich funktionieren die Gymnasien in den einzelnen Bundesländern wirklich? Und wie steht es um die Bildungsgerechtigkeit und die Zukunftsfähigkeit dieser Schulform? Ein Vergleich.</p>
<h4><strong>Sachsen: Individuelle Profile und hohe Schulqualität</strong></h4>
<p>Obwohl Bayern als das Bundesland mit den besten Schulen gilt, steht der Freistaat Sachsen im Bildungsmonitor 2024 auf Platz 1 in der Bewertung der Schulqualität in den einzelnen Bundesländern. Wie die anderen ostdeutschen Bundesländer setzt Sachsen auf ein zweigliedriges System ab der 5. Klasse, das sich aus Oberschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien zusammensetzt. Die sächsischen Gymnasien haben etwas weniger Zulauf als die Oberschulen: Im Schuljahr 2023/24 waren 110.969 Schülerinnen und Schüler an einem Gymnasium angemeldet, während 122.039 eine Oberschule besuchten. Die Bildungsempfehlungen in der 4. Klasse sind in Sachsen nicht bindend, sodass jedes Kind nach der Grundschule ein Gymnasium besuchen kann. Die Jahrgänge 5 und 6 sind als Orientierungsphase konzipiert. Die Lehrpläne sind daher mit der Oberschule abgestimmt, um unkomplizierte Schulwechsel zu ermöglichen. Daneben werden ab der 5. Klasse an den meisten Gymnasien Förderunterricht für leistungsstärkere oder -schwächere Schüler, Freiarbeit oder Kurse zur Vermittlung von Lerntechniken angeboten. Eine Besonderheit an den sächsischen Gymnasien sind die Schulprofile: Hier haben die Schulen die Möglichkeit, eigene Profile z.B. mit gesellschaftswissenschaftlichen, künstlerischen, naturwissenschaftlichen und sportlichen Schwerpunkten zu entwickeln, regionale Besonderheiten in den Unterricht aufzunehmen oder in Bereichen wie der Berufs- und Studienorientierung, der Medienbildung, der politischen Bildung sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung die Schulentwicklung unterstützen. Ab der 8. Klasse sind zwei Unterrichtsstunden pro Woche für den Profilunterricht festgelegt. Alternativ kann ab diesem Jahrgang eine dritte Fremdsprache gewählt werden.</p>
<p>Da das Abitur in Sachsen nach 8 Jahren abgelegt wird, beginnt die Vorbereitung auf die Oberstufe bereits in der 10. Klasse. In der Qualifikationsphase in der 11. und 12. Klasse wird im Kurssystem mit 2 Leistungskursen unterrichtet, von denen einer Mathematik oder Deutsch sein muss. Der zweite Leistungskurs kann eine fortgeführte Fremdsprache, Physik oder Geschichte sowie an einigen Gymnasien auch Kunst oder Chemie oder Biologie sein. Die Grundkurse können aus dem übrigen Fächerangebot gewählt werden. Die Abiturprüfung erfordert schriftliche Prüfungen in den Leistungskursen sowie in einem Grundkurs. Ebenfalls wird eine mündliche Prüfung in einem Grundkursfach abgelegt. Optional kann auch die Besondere Lernleistung (BELL) Bestandteil der Abiturprüfung sein: Dabei können die Schülerinnen und Schüler eine schriftliche Arbeit mit wissenschaftspropädeutischem Anspruch zu einem selbstgewählten Thema anfertigen. Diese Arbeit wird in einem Kolloquium verteidigt und hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität vorbereitet werden.</p>
<h4><strong>Berlin: Flexible Vorgaben, geringe Durchfallquote</strong></h4>
<p>In Berlin findet der Wechsel an die weiterführenden Schulen erst nach der 6. Klasse statt, wobei besonders begabte Kinder bereits ab der 5. Klasse auf bestimmte Gymnasien – etwa 40 von 95 Gymnasien in der Hauptstadt – wechseln können. Im aktuellen Schuljahr besuchen 85.503 Schülerinnen und Schüler eines der Berliner Gymnasien. Damit haben sie erkennbar weniger Zulauf als die Gesamt- und Gemeinschaftsschulen, die aktuell 114.053 Schülerinnen und Schüler zählen. In Die Klasse 7 gilt als Probejahr, in dem sich entscheidet, ob die Schülerinnen und Schüler mit ihren Fähigkeiten und Leistungen für das Gymnasium geeignet sind. Im Schuljahr 2023/24 haben von 10.955 Siebtklässlern 951 nach dem Probejahr auf eine andere Schulform gewechselt – interessanterweise liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, mit 568 deutlich über der Hälfte.</p>
<p>Ähnlich wie Sachsen hat auch Berlin Gymnasien mit bestimmten Schulprofilen, die individuell von den Schulen gestaltet werden. Die Schulprofile bringen nicht nur unterschiedliche Optionen für den Wahlpflichtunterricht oder optionale Erhöhungen der Wochenstundenzahlen in bestimmten Fächern mit sich, sondern können z.B. auch in fächerübergreifenden Schulprojekten umgesetzt werden.</p>
<p>In der Sekundarstufe 2, die durch G8 die Jahrgänge 11 und 12 umfasst, werden zwei Leistungskurse gewählt und die übrigen Fächer auf Grundkursniveau belegt. Die Prüfungsfächer im Abitur sind neben den beiden Leistungskursen zwei Grundkurse sowie die sogenannte fünfte Prüfungskomponente: Hier erarbeiten die Schülerinnen und Schüler allein, in Partner- oder Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema, das sich mindestens einem der zugelassenen Prüfungsfächer zuordnen lässt. Die Prüfungsleistung ist entweder eine Präsentationsprüfung in Form einer kurzen schriftlichen Ausarbeitung sowie einer Präsentation mit anschließendem Prüfungsgespräch, oder eine 20-seitige Ausarbeitung – die Besondere Lernleistung (BLL) –, die ebenfalls vor einem Kolloquium verteidigt wird. Allgemein sind in Berlin die Vorgaben bei der Wahl der Prüfungsfächer eher locker – die einzige Vorgabe ist, dass jedes der drei Aufgabenfelder (I: sprachlich-künstlerisch-musisch; II: gesellschaftswissenschaftlich; III: mathematisch-naturwissenschaftlich- technisch) mindestens einmal vertreten sein muss. Zwar bildet Berlin im Bildungsmonitor 2024 das Schlusslicht hinsichtlich der Schulqualität, doch an den Gymnasien allein scheint dies nicht zu liegen. Im Abiturjahrgang 2024 hatte Berlin mit 3 % die bundesweit niedrigste Durchfallquote – die Schülerinnen und Schüler werden hier offenbar gut auf das Abitur vorbereitet.</p>
<h4><strong>Schleswig-Holstein: Oberstufe mit Profil</strong></h4>
<p>Das Land zwischen den Meeren gehört zu den Bundesländern, die ihre Gymnasien im Zuge der Schulreformen nach der verheerenden PISA-Studie von 2003 von G9 auf G8 umgestellt haben, diese Reform allerdings zum Schuljahr 2019/20 wieder zurückgenommen haben. Nur ein Gymnasium in Schleswig-Holstein bleibt ein reines G8-Gymnasium. Vier weitere haben sich für das Y-Modell entschieden, d.h. sie bieten sowohl einen Bildungsgang mit 8 als auch mit 9 Jahren auf dem Gymnasium an. Ähnlich der Schulprofile in den andere Bundesländern gibt es in Schleswig-Holstein zahlreiche Gymnasien mit thematischen Schwerpunkten, wie z.B. mit bilingualen Klassen, einem altsprachlichen oder französischen Zweig, einem Kunst- oder Musikzweig. Aufgrund der Nachbarschaft zu Dänemark bieten viele Schulen neben den gängigen Fremdsprachen auch Dänisch als dritte Fremdsprache an.</p>
<p>Ähnlich wie Niedersachsen und Hamburg hat Schleswig-Holstein zum Schuljahr 2008/09 die Profiloberstufe eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich vor dem Eintritt in die Qualifikationsphase in der 12. Klasse für ein Profil, aus dem sie ein Profilfach auf Leistungskursniveau belegen. Das MINT-, das sprachliche und das gesellschaftswissenschaftliche Profil bieten alle Gymnasien an, während es von den Schülerzahlen und der Ausstattung an Lehrkräften abhängt, ob die Schulen auch ein ästhetisches oder ein sportliches Profil anbieten. Jede Schule gestaltet ihre Profile thematisch und interdisziplinär, etwa durch ein Profilseminar oder ein zusätzliches Pflichtfach. Zusätzlich zu dem Profilfach müssen zwei der drei Kernfächer (Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache, meist Englisch) auf erhöhtem Niveau belegt werden. Die übrigen Fächer werden in Grundkursen belegt. Die Anzahl der Prüfungsfächer auf erhöhtem Niveau wurde im Zuge einer weiteren Oberstufenreform im Jahr 2020 bereits um ein Fach eingekürzt, da sich die vorherige Konstellation als zu große Belastung für die Schülerinnen und Schüler herausgestellt hat. Wie in anderen Bundesländern kann auch in Schleswig-Holstein eine Besondere Lernleistung in die Abiturprüfung eingebracht werden. Eine Besonderheit ist hier außerdem die berufliche Orientierung, die mit einem verpflichtenden Wirtschaftspraktikum in der 12. Klasse gefördert werden soll.</p>
<h4><strong>Saarland: Schülerfreundliche Reformen in der Mittelstufe</strong></h4>
<p>Auch das Saarland hat seine Gymnasien von G8 auf G9 umgestellt – und zwar recht aktuell zum Schuljahr 2023/24. Diese Reform soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler zu entlasten und eine frühere Profilbildung und individuelle Förderung nach persönlichen Fähigkeiten und Interessen in der Schullaufbahn zu ermöglichen. Diese findet im neunjährigen Gymnasium ab der 8. Klasse statt: Die Schülerinnen wählen hier ein Unterrichtsangebot aus dem sprachlichen, naturwissenschaftlichen, technischen, sportlichen oder musisch-künstlerischen Zweig, das insgesamt 12 Wochenstunden beansprucht. Außerdem ist Informatik ab der 8. Klasse ein Pflichtfach. Außerdem wird mit dieser Reform ein besonderes Augenmerk auf die Neuankömmlinge am Gymnasium gesetzt. Die Jahrgänge 5 und 6 gelten als pädagogische Einheit, d.h. die Versetzungsentscheidung fällt nach der 5. Klasse per se weg. Durch das zusätzliche Schuljahr erhalten die Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Grundschule ans Gymnasium in den Anfangsklassen mehr Zeit zum Ankommen mit individueller Förderung und vertieftem Üben und Wiederholen – insbesondere in den Kernfächern.</p>
<p>Die Oberstufe hat durch die Reformen etwas an Flexibilität gewonnen: Zwar müssen weiterhin insgesamt 5 Prüfungsfächer gewählt werden, von denen zwei auf erhöhtem Niveau unterrichtet werden. Von den beiden Fächern auf Leistungskursniveau muss allerdings nur noch eins in den Kernfächern liegen, das zweite kann frei aus dem Fächerangebot gewählt werden – wobei es auch hier auf die Ausstattung und Schülerzahlen ankommt, da in dem peripher gelegenen, kleinen Bundesland die Möglichkeiten deutlich begrenzter sind als z.B. in Berlin. Außerdem müssen nur noch 2 der drei Kernfächer insgesamt in den Prüfungsfächern abgebildet sein.</p>
<h4><strong>Fazit: Zwischen Anspruch und Vergleichbarkeit – Abitur im föderalen Flickenteppich</strong></h4>
<p>Trotz wachsender Bemühungen um eine stärkere Vereinheitlichung – etwa durch den gemeinsamen Aufgabenpool im Zentralabitur oder die neue Oberstufenvereinbarung der Kultusministerkonferenz (gültig ab 2023) – bleibt die Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse in Deutschland ein schwieriges Thema. Zwar legt diese Vereinbarung erstmals bundesweit einheitliche Mindeststandards für Fächerwahl, Kursbelegung und Prüfungsformate fest, doch bleibt viel Interpretationsspielraum in der Umsetzung: Etwa bei der Profilgestaltung, den erlaubten Prüfungsformaten oder der konkreten Stundenverteilung. Berlin etwa bietet hohe Flexibilität bei der Kurswahl und verzeichnet zugleich eine niedrige Durchfallquote, während in anderen Bundesländern wie Sachsen oder Bayern die Anforderungen als deutlich strenger gelten. Solche Unterschiede werfen Fragen auf: Ist es gerecht, wenn Hochschulzugänge primär an die Abiturnote gekoppelt sind, obwohl diese unter völlig verschiedenen Bedingungen zustande kommt?</p>
<p>Auch bei der Bildungsgerechtigkeit bestehen weiterhin strukturelle Unterschiede: Der Zugang zum Gymnasium hängt vielerorts immer noch von der sozialen Herkunft ab – trotz Bemühungen wie einer längeren Orientierungsphase (Saarland), offeneren Bildungsempfehlungen (Sachsen) oder stärker individualisierten Profilwegen (Schleswig-Holstein).</p>
<p>Die neue Oberstufenvereinbarung ist ein wichtiger Schritt zu mehr Einheitlichkeit, doch solange nicht auch die Bildungsbedingungen selbst vergleichbarer werden, bleibt das Abitur in Deutschland ein Abschluss mit vielen Gesichtern, dessen Gestaltung auch in der Zukunft für viel Diskussionsstoff sorgen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-info" style="padding: 20px;"><strong>Weiterlesen<br /></strong>In der SiB-Serie „Ländervergleich“ der Kieler Autorin Zara Zerbe sind neben dem aktuellen Blick auf die Gymnasien bereits in vorherigen Ausgaben Grundschulen, Gesamtschul-Konzepte und Realschulen beleuchtet worden. <br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-3-maerz-2025/981-kurze-beine-kurze-wege">Kurze Beine, kurze Wege<br />Grundschulen in BY, HE, RP, TH</a><br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-4-april-2025/990-gemeinsam-im-norden">Gemeinsam im Norden<br />Gesamtschulen in HB, HH, MV, SH</a><br /><br /><a href="infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-5-juni-2025/999-einmal-hin-alles-drin">Einmal hin – alles drin<br />Realschule in BY, HE, NI, NRW</a></p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Autorin</strong><br />Zara Zerbe hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert und lebt und arbeitet als freie Autorin in Kiel. Dort ist sie Mitherausgeberin des Literaturmagazins „der Schnipsel“ und hostet den Podcast „Literarisch, Solidarisch“ mit Hatice Açıkgöz und Dara Brexendorf. Sie arbeitet zu Umwelt-, Bildungs- und Zukunftsthemen sowie zu sozialer Gerechtigkeit. 2024 ist ihr Debütroman „Phytopia Plus“ im Verbrecher Verlag erschienen. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kunstförderpreis des Landes Schleswig-Holstein und dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar.</p>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025</category>
           <pubDate>Sat, 26 Jul 2025 17:13:33 +0200</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Im Sommer kalt erwischt</title>
           <link>https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-6-juli-2025/1010-im-sommer-kalt-erwischt?format=html</link>
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           <media:title type="plain">Im Sommer kalt erwischt</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h3>Schulrecht erklärt: Erläuterungen zu Nichtversetzung und Notentransparenz</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Andreas Zoller</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Rechtsanwalt</span></p>
<p>Häufig werden Eltern von Nichtversetzungsentscheidungen der Schulen „kalt erwischt“. Diese werden regelmäßig erst anlässlich der Versetzungskonferenzen mitgeteilt, ohne dass zumindest eine Nichtversetzung zuvor ein vertieftes Thema war.<br />Hintergrund dürfte sein, dass auch viele Lehrer sich während des Schuljahres selbst keine großen Gedanken machen und wenn man in die eigene Klasse schaut, wird es meist mehr als einen Schüler geben, der „auf der Kippe steht“. Kommt es dann zu Versetzungskonferenzen können solche Probleme leicht kumulieren, wenn mehrere Lehrer Probleme bei sich ausmachen und dann eine Eigendynamik zu Lasten einer Nichtversetzung entsteht. Insofern sollten betroffene Eltern dieses Thema nicht verdrängen, wenn das eigene Kind potentiell zu den Nichtversetzungskandidaten gehört.</p>
<p>Genau dies ist aber häufig der Fall, insbesondere wenn die Schule ein besonders problematisches Fach in den Vordergrund stellt, man sich darauf konzentriert, häufig auch verbessert und plötzlich tauchen in anderen Fächern auch schlechte Noten auf, die man gar nicht mehr auf dem Radar hatte…</p>
<p>Ich kann deshalb nur dazu raten, die Noten während des Schuljahres selbst transparent zu halten.<br />Dies gilt umso mehr, als die Sommerferien nahen und wer bis dahin keine Notentransparenz hat, dem fehlt die Grundlage, um über die Notengebung zu diskutieren, denn ohne Sachverhalt ist keine juristische Subsumtion möglich. <br />Bemerkenswert ist hierbei, dass Lehrer während der Sommerferien fast durchgängig als nicht erreichbar gelten, so dass man häufig auch keinen inhaltlichen Kommunikationskanal mehr bis zum Ferienende aufbauen kann, da zwar Schulleitungen üblicherweise erreichbar sind, aber inhaltlich ja auch nicht mehr wissen, als man selbst.</p>
<p>Kurzum: Wer nicht von einer plötzlichen Nichtversetzung überrascht werden will und/oder diese inhaltlich in Frage stellen will, der braucht eine Notentransparenz!</p>
<h4><strong>Die Regelungen der Notenbildungsverordnung</strong></h4>
<p>In § 7 Notenbildungsverordnung heißt es:</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3) Die allgemeinen für die Bewertung der Leistungen in den einzelnen Fächern oder Fächerverbünden maßgebenden Kriterien hat die Fachlehrkraft den Schülerinnen und Schülern und auf Befragen auch ihren Erziehungsberechtigten sowie den für die Berufserziehung der Schülerinnen und Schüler Mitverantwortlichen darzulegen.<br />(4) Die Fachlehrkraft hat der Schülerin oder dem Schüler auf Befragen den Stand ihrer oder seiner mündlichen und praktischen Leistungen anzugeben. Nimmt sie eine besondere Prüfung vor, die sie gesondert bewertet, hat sie der Schülerin oder dem Schüler die Note bekanntzugeben.</p>
<h4><strong>Die Umsetzung der Möglichkeiten zur Notentransparenz:</strong></h4>
<p>Folglich hat die Fachlehrkraft also die formalen Kriterien der Notenbildung mitzuteilen, was meist am ersten Elternabend geschieht:</p>
<ul>
<li>Wie viele Klassenarbeiten/schriftliche Wiederholungsarbeiten werden geschrieben?</li>
<li>Wie werden mündliche Noten vergeben – an einzelnen Tagen durch ein Abhören / eine Bewertung der Unterrichtsmitarbeit oder über Zeiträume?</li>
</ul>
<p>Als nächster Schritt ist es wichtig zu erfahren, wie mit der Vielzahl der Noten verfahren wird, wie diese also gewichtet werden:</p>
<ul>
<li>Wie ist die Gewichtung innerhalb der schriftlichen Noten, wenn Klassenarbeiten und schriftliche Wiederholungsarbeiten angefertigt werden oder Referate usw. hinzukommen?</li>
<li>Wie ist die Gewichtung schriftlich zu mündlich?</li>
<li>Und wie ist die Gewichtung zwischen erstem und zweitem Halbjahr oder zählen allen Noten gleich?</li>
</ul>
<p>Hat man diese Informationen, dann kann man die Notenbildung während des Schuljahres bereits gut nachverfolgen, da mit Ausnahme der mündlichen Noten meist alle Noten bekannt gegeben werden.<br />Man sollte den ersten Elternabend im Jahr also nicht verschlafen, die getätigten Aufzeichnungen irgendwo hinlegen, wo man sich nicht mehr erinnert und selbst am Ball bleiben!<br />Die restlichen Informationen (die mündlichen und praktischen Noten) kann man dann auch über § 7 Notenbildungsverordnung bei den Fachlehrern erfahren, so dass man hierüber für sich selbst vollständige Transparenz das gesamte Schuljahr über erreichen kann.</p>
<h4><strong>Abschließende Bemerkungen</strong></h4>
<p>Wie oft man die mündlichen Noten erfragen kann, hängt natürlich auch davon ab, wie oft der Lehrer mündliche Noten vergibt. In Fächern, in denen es knapp zugeht, könnte man beispielsweise nach den Herbstferien, nach den Weihnachtsferien, nach den Osterferien und nach den Pfingstferien fragen.<br />Naturgemäß macht man sich mit solchen Anfragen nicht unbedingt beliebt bei den jeweiligen Lehrern. Andererseits ist dies oftmals eine kurzsichtige Sichtweise der Lehrer, denn auch sie selbst profitieren im Ergebnis von dieser Transparenz, denn wenn alle dieselbe Tatsachen-Grundlage haben, dann stellt diese keine Diskussionsbasis mehr dar und man kann sich auf den Inhalt konzentrieren, der erfahrungsgemäß dann nur einige wenige Noten betrifft, die potentiell unterschiedlich gesehen werden.<br />Im Ergebnis profitieren demnach alle von einer Transparenz, zumal dies auch eine Selbstkontrolle der Lehrer verbessert, nur dann eine „5“ zu vergeben, wenn diese wirklich vertretbar ist und das rechnerische Ergebnis stellt hierfür stets die Grundlage dar. Will man hiervon abweichen, dann muss dies schon sehr gut begründet werden, denn pädagogische Freiheit rechtfertigt nicht per se jedes Ergebnis, auch wenn dies mitunter so behauptet wird.</p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zum Autor</strong><br />Rechtsanwalt Andreas Zoller ist seit 2007 einer der führenden Experten im Schulrecht. Durch seine umfangreichen Online-Ressourcen macht er schulrechtliche Themen für ein breites Publikum zugänglich. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit ist er als Dozent an der Kommunalakademie Deutschland und als Autor aktiv. Seine Schwerpunkte umfassen Schulwahl, Ordnungsmaßnahmen, Mobbing, Nichtversetzung und Inklusion.</p>]]></media:description>
                      <guid isPermaLink="true">https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-6-juli-2025/1010-im-sommer-kalt-erwischt?format=html</guid>
           <description><![CDATA[<h3>Schulrecht erklärt: Erläuterungen zu Nichtversetzung und Notentransparenz</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Andreas Zoller</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Rechtsanwalt</span></p>
<p>Häufig werden Eltern von Nichtversetzungsentscheidungen der Schulen „kalt erwischt“. Diese werden regelmäßig erst anlässlich der Versetzungskonferenzen mitgeteilt, ohne dass zumindest eine Nichtversetzung zuvor ein vertieftes Thema war.<br />Hintergrund dürfte sein, dass auch viele Lehrer sich während des Schuljahres selbst keine großen Gedanken machen und wenn man in die eigene Klasse schaut, wird es meist mehr als einen Schüler geben, der „auf der Kippe steht“. Kommt es dann zu Versetzungskonferenzen können solche Probleme leicht kumulieren, wenn mehrere Lehrer Probleme bei sich ausmachen und dann eine Eigendynamik zu Lasten einer Nichtversetzung entsteht. Insofern sollten betroffene Eltern dieses Thema nicht verdrängen, wenn das eigene Kind potentiell zu den Nichtversetzungskandidaten gehört.</p>
<p>Genau dies ist aber häufig der Fall, insbesondere wenn die Schule ein besonders problematisches Fach in den Vordergrund stellt, man sich darauf konzentriert, häufig auch verbessert und plötzlich tauchen in anderen Fächern auch schlechte Noten auf, die man gar nicht mehr auf dem Radar hatte…</p>
<p>Ich kann deshalb nur dazu raten, die Noten während des Schuljahres selbst transparent zu halten.<br />Dies gilt umso mehr, als die Sommerferien nahen und wer bis dahin keine Notentransparenz hat, dem fehlt die Grundlage, um über die Notengebung zu diskutieren, denn ohne Sachverhalt ist keine juristische Subsumtion möglich. <br />Bemerkenswert ist hierbei, dass Lehrer während der Sommerferien fast durchgängig als nicht erreichbar gelten, so dass man häufig auch keinen inhaltlichen Kommunikationskanal mehr bis zum Ferienende aufbauen kann, da zwar Schulleitungen üblicherweise erreichbar sind, aber inhaltlich ja auch nicht mehr wissen, als man selbst.</p>
<p>Kurzum: Wer nicht von einer plötzlichen Nichtversetzung überrascht werden will und/oder diese inhaltlich in Frage stellen will, der braucht eine Notentransparenz!</p>
<h4><strong>Die Regelungen der Notenbildungsverordnung</strong></h4>
<p>In § 7 Notenbildungsverordnung heißt es:</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3) Die allgemeinen für die Bewertung der Leistungen in den einzelnen Fächern oder Fächerverbünden maßgebenden Kriterien hat die Fachlehrkraft den Schülerinnen und Schülern und auf Befragen auch ihren Erziehungsberechtigten sowie den für die Berufserziehung der Schülerinnen und Schüler Mitverantwortlichen darzulegen.<br />(4) Die Fachlehrkraft hat der Schülerin oder dem Schüler auf Befragen den Stand ihrer oder seiner mündlichen und praktischen Leistungen anzugeben. Nimmt sie eine besondere Prüfung vor, die sie gesondert bewertet, hat sie der Schülerin oder dem Schüler die Note bekanntzugeben.</p>
<h4><strong>Die Umsetzung der Möglichkeiten zur Notentransparenz:</strong></h4>
<p>Folglich hat die Fachlehrkraft also die formalen Kriterien der Notenbildung mitzuteilen, was meist am ersten Elternabend geschieht:</p>
<ul>
<li>Wie viele Klassenarbeiten/schriftliche Wiederholungsarbeiten werden geschrieben?</li>
<li>Wie werden mündliche Noten vergeben – an einzelnen Tagen durch ein Abhören / eine Bewertung der Unterrichtsmitarbeit oder über Zeiträume?</li>
</ul>
<p>Als nächster Schritt ist es wichtig zu erfahren, wie mit der Vielzahl der Noten verfahren wird, wie diese also gewichtet werden:</p>
<ul>
<li>Wie ist die Gewichtung innerhalb der schriftlichen Noten, wenn Klassenarbeiten und schriftliche Wiederholungsarbeiten angefertigt werden oder Referate usw. hinzukommen?</li>
<li>Wie ist die Gewichtung schriftlich zu mündlich?</li>
<li>Und wie ist die Gewichtung zwischen erstem und zweitem Halbjahr oder zählen allen Noten gleich?</li>
</ul>
<p>Hat man diese Informationen, dann kann man die Notenbildung während des Schuljahres bereits gut nachverfolgen, da mit Ausnahme der mündlichen Noten meist alle Noten bekannt gegeben werden.<br />Man sollte den ersten Elternabend im Jahr also nicht verschlafen, die getätigten Aufzeichnungen irgendwo hinlegen, wo man sich nicht mehr erinnert und selbst am Ball bleiben!<br />Die restlichen Informationen (die mündlichen und praktischen Noten) kann man dann auch über § 7 Notenbildungsverordnung bei den Fachlehrern erfahren, so dass man hierüber für sich selbst vollständige Transparenz das gesamte Schuljahr über erreichen kann.</p>
<h4><strong>Abschließende Bemerkungen</strong></h4>
<p>Wie oft man die mündlichen Noten erfragen kann, hängt natürlich auch davon ab, wie oft der Lehrer mündliche Noten vergibt. In Fächern, in denen es knapp zugeht, könnte man beispielsweise nach den Herbstferien, nach den Weihnachtsferien, nach den Osterferien und nach den Pfingstferien fragen.<br />Naturgemäß macht man sich mit solchen Anfragen nicht unbedingt beliebt bei den jeweiligen Lehrern. Andererseits ist dies oftmals eine kurzsichtige Sichtweise der Lehrer, denn auch sie selbst profitieren im Ergebnis von dieser Transparenz, denn wenn alle dieselbe Tatsachen-Grundlage haben, dann stellt diese keine Diskussionsbasis mehr dar und man kann sich auf den Inhalt konzentrieren, der erfahrungsgemäß dann nur einige wenige Noten betrifft, die potentiell unterschiedlich gesehen werden.<br />Im Ergebnis profitieren demnach alle von einer Transparenz, zumal dies auch eine Selbstkontrolle der Lehrer verbessert, nur dann eine „5“ zu vergeben, wenn diese wirklich vertretbar ist und das rechnerische Ergebnis stellt hierfür stets die Grundlage dar. Will man hiervon abweichen, dann muss dies schon sehr gut begründet werden, denn pädagogische Freiheit rechtfertigt nicht per se jedes Ergebnis, auch wenn dies mitunter so behauptet wird.</p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zum Autor</strong><br />Rechtsanwalt Andreas Zoller ist seit 2007 einer der führenden Experten im Schulrecht. Durch seine umfangreichen Online-Ressourcen macht er schulrechtliche Themen für ein breites Publikum zugänglich. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit ist er als Dozent an der Kommunalakademie Deutschland und als Autor aktiv. Seine Schwerpunkte umfassen Schulwahl, Ordnungsmaßnahmen, Mobbing, Nichtversetzung und Inklusion.</p>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025</category>
           <pubDate>Sat, 26 Jul 2025 17:12:46 +0200</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Gesundheitsförderung als Teil des Bildungsplans</title>
           <link>https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-6-juli-2025/1009-gesundheitsfoerderung-als-teil-des-bildungsplans-1?format=html</link>
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           <media:title type="plain">Gesundheitsförderung als Teil des Bildungsplans</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h3>Möglichkeiten der Prävention und Intervention im Land</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Sandra Fuchs</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Psychologin und Lektorin</span></p>
<p>Der letzte Beitrag der Artikelserie „Gesundheitsförderung als Teil des Bildungsplans“ erörtert Möglichkeiten der Prävention und Intervention in Baden-Württemberg.</p>
<p>Im Fokus des fünften Artikels stehen – nach einem Resümee der vorherigen vier Artikel – die folgenden Fragen:</p>
<ol>
<li>An wen können sich die Beteiligten der Lernumwelt wenden, wenn sie Interventions- oder Präventionsbedarf haben?</li>
<li>Gibt es spezifische Angebote für Lehrende, Schülerinnen und Schüler sowie deren Erziehungsberechtigte?</li>
<li>Wird das Bundesland Baden-Württemberg mit seinem landesspezifischen Rahmenkonzept „stark.stärker.WIR.“ der curricularen Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ gerecht?</li>
</ol>
<h4><strong>Resümee der Artikel 1 bis Artikel 4</strong></h4>
<p><strong>Health Literacy, Prävention und Gesundheitsförderung</strong></p>
<p>Sie haben erfahren, dass das Thema Gesundheit in modernen Gesellschaften eine zentrale Rolle einnimmt<sup>1</sup> und Individuen mittels „Health Literacy“<sup>2</sup> Verantwortung für die eigene, aber auch die Gesundheit anderer Menschen übernehmen können<sup>3</sup>. In den gegenwärtigen Bildungsplänen des Bundeslandes Baden-Württemberg ist als eine Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ verankert<sup>4</sup>. In diesem Sinne verfolgt das landeseigene und präventiv orientierte Rahmenkonzept „stark.stärker.WIR.“ das Ziel, durch nachhaltige Begleitung im Entwicklungsprozess Schülerinnen und Schüler nachhaltig in ihren Lebenskompetenzen und Schutzfaktoren zu fördern<sup>5</sup>.</p>
<p><strong>Besorgniserregende Gesundheitszustände bei allen Schulbeteiligten, aber Offenheit gegenüber Unterstützungsangeboten</strong></p>
<p>Es zeigten sich anhand der Studien „Deutsches Schulbarometer“<sup>6,7</sup> besorgniserregende tatsächliche Gesundheitszustände sowohl bei Lehrkräften als auch bei Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Der Schulstress der Kinder und Jugendlichen wiederum belastet deren Eltern/Erziehungsberechtigte: Nicht nur der Gesundheitszustand der Eltern verschlechterte sich in den vergangenen Jahren, sondern es fehlte oft an Wissen um Hilfsangebote oder an zeitnah verfügbarer außerschulischer Unterstützung<sup>7,8,9</sup>. Die Studien „Deutsches Schulbarometer“<sup>6,7</sup> verdeutlichen aber auch eine deutliche Offenheit und große Bereitschaft aller Akteure im Kontext Schule, Unterstützungsangebote anzunehmen und zusammenzuarbeiten.</p>
<h4><strong>Anlaufstellen für Ratsuchende in Baden-Württemberg</strong></h4>
<p>Eine Auflistung aller länderübergreifenden und länderspezifischen präventiven und intervenierenden Maßnahmen für die einzelnen Schulbeteiligten würde aufgrund der Fülle an Programmen und Trainings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es erfolgt daher anknüpfend an die curriculare Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“<sup>4</sup> eine Beschränkung auf die in Baden-Württemberg angebotenen Präventionskonzepte.</p>
<p><strong>Allgemeine Anlaufstellen</strong></p>
<p>Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es generell immer möglich ist, sich spezifischen Rat zu außerschulischen Angeboten beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter kurzlinks.de/biog einzuholen. Auch Krankenkassen, Gesundheitsämter und Beratungsstellen helfen gern bei Fragen weiter.</p>
<p><strong>Kontaktbüro Prävention</strong></p>
<p>Das Land Baden-Württemberg hat das Kontaktbüro Prävention eingerichtet, das Arbeitsmaterialien für die Prävention und Gesundheitsförderung bereitstellt, die Leitperspektive landesweit zu koordinieren und ggf. landerbergreifend zu vernetzen. Die Ansprechpartnerin im ZSL ist Frau Tonja Brinks<sup>10</sup>.</p>
<p><strong>„Roter Faden Prävention“</strong></p>
<p>Der im Internet gratis zum Download bereitgestellte „Rote Faden Prävention“ führt 90 Programme, Medienbausteine und Projekte zur Gewalt- und Suchtprävention sowie zu Lebenskompetenzen und Gesundheitsförderung auf<sup>11</sup>. Die Gliederung im „Roten Faden“ folgt den Alters- bzw. Klassenstufen der Kinder und Jugendlichen. Weiterhin finden sich Informationen und Kontaktadressen zu Unterstützungssystemen bzw. Anlaufstellen, zu außerschulischen Kooperationspartnern und eine Sammlung hilfreicher Internetlinks zu verschiedenen Präventionsthemen und Problembereichen. Auch Tipps für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus kommen nicht zu kurz<sup>12, 13</sup>.</p>
<p><strong>„Schulpsychologische Dienste“ und Angebote für Lehrkräfte</strong></p>
<p>Sowohl Lehrkräfte und Schulleitungen als auch Lernende und ihre Erziehungsberechtigten aller Schulformen haben die Möglichkeit, sich von den „Schulpsychologischen Diensten“ bei Problemen oder Herausforderungen beraten zu lassen. Die Beratung erfolgt kostenfrei und unterliegt der Schweigepflicht. Zu erreichen sind die „Schulpsychologischen Dienste“ über Beratungslehrkräfte, schulpsychologische Beratungsstellen und Schulberater bzw. Schulberaterinnen oder Schulpsychologen und Schulpsychologinnen. Das Kultusministerium Baden-Württembergs hält zudem diverse Angebote der Gesundheitsförderung für Lehrkräfte und Schulleitungen bereit. Die genannten Beratungsmöglichkeiten und Angebote finden Sie über die Startseite des Kultusministeriums unter dem Stichpunkt „Beratung“<sup>14</sup>.</p>
<p><strong>Wichtige Adressen heraussuchen und notieren</strong></p>
<p>Sie sehen, es gibt eine Vielzahl von Anlaufstellen in Baden-Württemberg für Ratsuchende, die Ihnen jederzeit gern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Beratungsangebote werden gruppenspezifisch ausgewählt. Haben Sie weder Scheu noch Scham, sich bei Schwierigkeiten Unterstützung zu holen! Notieren Sie sich bei Bedarf am besten direkt für Sie passende Adressen/Links und/oder nehmen Sie die Ihnen angebotene Unterstützung wahr, auch bei der Suche nach einem passenden Konzept!</p>
<h4><strong>Landeseigenes Präventionskonzept „stark.stärker.WIR.“</strong></h4>
<p>Im letzten Abschnitt wird die Frage nach dem Erfolg des landesspezifischen Rahmenpräventionskonzepts „stark.stärker.WIR.“ in den Fokus gerückt. Es wird zum einen das Potenzial des Konzepts dargestellt, zum anderen wird ein Zwischenbericht aus dem Jahr 2015 um Erfolg des Konzepts beleuchtet. Leistet das Konzept tatsächlich einen Beitrag zu einer nachhaltigen Verankerung von Prävention mit dem Ziel der schulischen Gesundheitsförderung?</p>
<p><strong>Das Konzept</strong></p>
<p>Mit dem Ziel einer erfolgreichen schulischen Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung sorgt das im Jahr 2009<sup>11</sup> entwickelte Konzept „stark.stärker.WIR.“ für geeignete Rahmenbedingungen und Strukturen auf drei sozialen Ebenen – individueller Ebene, Klassenebene und Schulebene. Gemäß dem Konzept werden alle Schulakteure und -akteurinnen sowie auch externe Netzwerkpartner in die Prävention einbezogen. Auf individueller Ebene stehen Gewalt- und Suchtprävention sowie die Gesundheitsförderung im Zentrum der schulischen Präventionsarbeit, auf Klassenebene die Lebenskompetenzen. Schulen können die Begleitung von Präventionsbeauftragten bei der Umsetzung von „stark.stärker.WIR.“ in Anspruch nehmen. Die Präventionsbeauftragten unterstützen Schulen bei der Implementierung von Präventionsprogrammen und vermitteln Kontakte zu weiteren schulinternen und -externen Kooperationspartnern. Weiterhin werden Fortbildungen für Lehrkräfte sowie thematische Elternabende angeboten. Die kostenlos im Internet verfügbare Handreichung zu „stark.stärker.WIR.“ gewährt einen umfangreichen Einblick mit Schaubildern in das Rahmenkonzept und die einzelnen Themen der Präventionsarbeit je sozialer Ebene<sup>11</sup>.</p>
<p><strong>Ziele des Konzepts</strong></p>
<p>Im Einzelnen werden die folgenden Ziele angestrebt:</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 12pt;">„Schule ist ein Raum, in dem die Würde und die Gesundheit jedes Einzelnen geachtet werden.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;"></span><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte fühlen sich sicher; ihre Konfliktlösungskompetenz ist gestärkt.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler verfügen über gute Voraussetzungen zur Lebensbewältigung und -entfaltung.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler sind in ihrer Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit gestärkt.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Präventionsarbeit an Schulen erfolgt nachhaltig, zielgerichtet und systematisch.“<sup>11</sup></span></li>
</ul>
<p><strong>Erfolg des Konzepts?</strong><br /><strong>Ja, mit Verbesserungspotenzialen!</strong></p>
<p>Positiv festzuhalten sind die breite Akzeptanz des Präventionskonzepts und dass grundsätzlich die Zielsetzungen des Konzepts erreicht werden. Fenzl et al. [2015, S. 3] fassen zusammen:</p>
<p style="padding-left: 30px;">„Auf Grundlage der vorliegenden Daten kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die Umsetzung des Präventionskonzepts stark.stärker.WIR. – entsprechend der intendierten Zielsetzung – einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur Etablierung einer systematischen, zielgerichteten und nachhaltigen Präventionsarbeit an Schulen leisten kann.“</p>
<p>Die Forschenden betonen aber auch die Problematik fehlender Ressourcen, die zu nur einer teilweisen Umsetzung des Programms führen, obwohl gerade die Rahmenbedingungen der entscheidende Erfolgsfaktor von „stark.stärker.WIR,“ sind<sup>15</sup>. So zeigte eine Optimierung des Rahmenkonzepts positive Auswirkungen auf das Klassenklima, das Gefühl sozialer Verbundenheit und eine Reduktion von Gewalt<sup>16</sup>.</p>
<p><strong>Was Sie tun können</strong></p>
<p>Eltern, Lernende und Lehrende können nur wenig an den mangelnden Ressourcen ändern, und die Entwicklung geeigneter Wirkmodelle obliegt Forschenden. Aber diese Artikelserie und Sie als Leserinnen und Leser können den Bekanntheitsgrad von „stark.stärker.WIR.“ erhöhen, für den der Zwischenbericht noch Luft nach oben sah<sup>15</sup>.</p>
<h4><strong>Fazit</strong></h4>
<p>Eine gemeinsame Grundhaltung aller Beteiligten ist Basis für eine starke Schulgemeinschaft. Das Kultusministerium von Baden-Württemberg sagt15: <br />„Gemeinsam gelingt stark.stärker.WIR.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-dark" style="padding: 10px;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Zur Autorin</strong></span><br /><span style="font-size: 10pt;">Sandra Fuchs hat sich während des Masterstudiums als freie Lektorin, (Ko-)Autorin und Schreibberaterin selbstständig gemacht. Das Fach Bildungspsychologie sowie Fortbildungen in beispielsweise gewaltfreier Kommunikation oder Beratung in der Sozialen Arbeit haben die Psychologin unter anderem für das weite Feld der Gesundheit im Bildungskontext begeistert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 10pt;">Literatur</span></p>
<ol>
<li><span style="font-size: 10pt;">Kickbusch, I. &amp; Hartung, S. (2015). Die Gesundheitsgesellschaft. Konzepte für eine gesundheitsförderliche Politik (2., vollst. überarb. Aufl.). Huber. Abgerufen am 07.11.2024 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Koch Institut (RKI) (2024). Gesundheitskompetenz. Abgerufen am 08.11.2024</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Paulus, P. &amp; Dadaczynski, K. (2024). Gesundheitsförderung und Schule. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). Abgerufen am 06.11.2024 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung. Abgerufen am 17.05.2025</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Abgerufen am 17.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Bosch Stiftung (2024). Abgerufen am 08.03.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Bosch Stiftung (2024). Deutsches Schulbarometer: Abgerufen am 18.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">AOK-Bundesverband (06.12.2022). AOK-Familienstudie 2022. Abgerufen am 17.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Koch Institut (RKI). (2022). AdiMon Themenblatt: Gesundheitskompetenz von Eltern (Stand: 28. Juni 2022). Abgerufen am 18.04.2025</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Abgerufen am 18.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2013). Roter Faden Prävention. Projekte und Programme für Kindertageseinrichtungen und Schulen in Baden-Württemberg. Abgerufen am 18.05.025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2013). stark.stärker.WIR. Prävention an Schulen in Baden-Württemberg. Abgerufen am 17.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) (o. J.). Präventionsprogramme. Abgerufen am 18.05.2025</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) (o. J.). Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Abgerufen am 18.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Fenzl, T., Lemke, S. &amp; Mayring, P. (2015). Zwischenbericht. Evaluation des baden-württembergischen Präventionskonzepts stark.stärker.WIR. Abgerufen am 18.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Fenzl, T., Lemke, S. &amp; Mayring, P. (2021). Entwicklung und Erprobung eines Wirkmodells im Rahmen der Evaluation des baden-württembergischen Präventionskonzepts stark.stärker.WIR.</span></li>
</ol>]]></media:description>
                      <guid isPermaLink="true">https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-6-juli-2025/1009-gesundheitsfoerderung-als-teil-des-bildungsplans-1?format=html</guid>
           <description><![CDATA[<h3>Möglichkeiten der Prävention und Intervention im Land</h3>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Sandra Fuchs</span><br /><span style="font-size: 10pt;">Psychologin und Lektorin</span></p>
<p>Der letzte Beitrag der Artikelserie „Gesundheitsförderung als Teil des Bildungsplans“ erörtert Möglichkeiten der Prävention und Intervention in Baden-Württemberg.</p>
<p>Im Fokus des fünften Artikels stehen – nach einem Resümee der vorherigen vier Artikel – die folgenden Fragen:</p>
<ol>
<li>An wen können sich die Beteiligten der Lernumwelt wenden, wenn sie Interventions- oder Präventionsbedarf haben?</li>
<li>Gibt es spezifische Angebote für Lehrende, Schülerinnen und Schüler sowie deren Erziehungsberechtigte?</li>
<li>Wird das Bundesland Baden-Württemberg mit seinem landesspezifischen Rahmenkonzept „stark.stärker.WIR.“ der curricularen Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ gerecht?</li>
</ol>
<h4><strong>Resümee der Artikel 1 bis Artikel 4</strong></h4>
<p><strong>Health Literacy, Prävention und Gesundheitsförderung</strong></p>
<p>Sie haben erfahren, dass das Thema Gesundheit in modernen Gesellschaften eine zentrale Rolle einnimmt<sup>1</sup> und Individuen mittels „Health Literacy“<sup>2</sup> Verantwortung für die eigene, aber auch die Gesundheit anderer Menschen übernehmen können<sup>3</sup>. In den gegenwärtigen Bildungsplänen des Bundeslandes Baden-Württemberg ist als eine Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ verankert<sup>4</sup>. In diesem Sinne verfolgt das landeseigene und präventiv orientierte Rahmenkonzept „stark.stärker.WIR.“ das Ziel, durch nachhaltige Begleitung im Entwicklungsprozess Schülerinnen und Schüler nachhaltig in ihren Lebenskompetenzen und Schutzfaktoren zu fördern<sup>5</sup>.</p>
<p><strong>Besorgniserregende Gesundheitszustände bei allen Schulbeteiligten, aber Offenheit gegenüber Unterstützungsangeboten</strong></p>
<p>Es zeigten sich anhand der Studien „Deutsches Schulbarometer“<sup>6,7</sup> besorgniserregende tatsächliche Gesundheitszustände sowohl bei Lehrkräften als auch bei Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Der Schulstress der Kinder und Jugendlichen wiederum belastet deren Eltern/Erziehungsberechtigte: Nicht nur der Gesundheitszustand der Eltern verschlechterte sich in den vergangenen Jahren, sondern es fehlte oft an Wissen um Hilfsangebote oder an zeitnah verfügbarer außerschulischer Unterstützung<sup>7,8,9</sup>. Die Studien „Deutsches Schulbarometer“<sup>6,7</sup> verdeutlichen aber auch eine deutliche Offenheit und große Bereitschaft aller Akteure im Kontext Schule, Unterstützungsangebote anzunehmen und zusammenzuarbeiten.</p>
<h4><strong>Anlaufstellen für Ratsuchende in Baden-Württemberg</strong></h4>
<p>Eine Auflistung aller länderübergreifenden und länderspezifischen präventiven und intervenierenden Maßnahmen für die einzelnen Schulbeteiligten würde aufgrund der Fülle an Programmen und Trainings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es erfolgt daher anknüpfend an die curriculare Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“<sup>4</sup> eine Beschränkung auf die in Baden-Württemberg angebotenen Präventionskonzepte.</p>
<p><strong>Allgemeine Anlaufstellen</strong></p>
<p>Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es generell immer möglich ist, sich spezifischen Rat zu außerschulischen Angeboten beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter kurzlinks.de/biog einzuholen. Auch Krankenkassen, Gesundheitsämter und Beratungsstellen helfen gern bei Fragen weiter.</p>
<p><strong>Kontaktbüro Prävention</strong></p>
<p>Das Land Baden-Württemberg hat das Kontaktbüro Prävention eingerichtet, das Arbeitsmaterialien für die Prävention und Gesundheitsförderung bereitstellt, die Leitperspektive landesweit zu koordinieren und ggf. landerbergreifend zu vernetzen. Die Ansprechpartnerin im ZSL ist Frau Tonja Brinks<sup>10</sup>.</p>
<p><strong>„Roter Faden Prävention“</strong></p>
<p>Der im Internet gratis zum Download bereitgestellte „Rote Faden Prävention“ führt 90 Programme, Medienbausteine und Projekte zur Gewalt- und Suchtprävention sowie zu Lebenskompetenzen und Gesundheitsförderung auf<sup>11</sup>. Die Gliederung im „Roten Faden“ folgt den Alters- bzw. Klassenstufen der Kinder und Jugendlichen. Weiterhin finden sich Informationen und Kontaktadressen zu Unterstützungssystemen bzw. Anlaufstellen, zu außerschulischen Kooperationspartnern und eine Sammlung hilfreicher Internetlinks zu verschiedenen Präventionsthemen und Problembereichen. Auch Tipps für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus kommen nicht zu kurz<sup>12, 13</sup>.</p>
<p><strong>„Schulpsychologische Dienste“ und Angebote für Lehrkräfte</strong></p>
<p>Sowohl Lehrkräfte und Schulleitungen als auch Lernende und ihre Erziehungsberechtigten aller Schulformen haben die Möglichkeit, sich von den „Schulpsychologischen Diensten“ bei Problemen oder Herausforderungen beraten zu lassen. Die Beratung erfolgt kostenfrei und unterliegt der Schweigepflicht. Zu erreichen sind die „Schulpsychologischen Dienste“ über Beratungslehrkräfte, schulpsychologische Beratungsstellen und Schulberater bzw. Schulberaterinnen oder Schulpsychologen und Schulpsychologinnen. Das Kultusministerium Baden-Württembergs hält zudem diverse Angebote der Gesundheitsförderung für Lehrkräfte und Schulleitungen bereit. Die genannten Beratungsmöglichkeiten und Angebote finden Sie über die Startseite des Kultusministeriums unter dem Stichpunkt „Beratung“<sup>14</sup>.</p>
<p><strong>Wichtige Adressen heraussuchen und notieren</strong></p>
<p>Sie sehen, es gibt eine Vielzahl von Anlaufstellen in Baden-Württemberg für Ratsuchende, die Ihnen jederzeit gern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Beratungsangebote werden gruppenspezifisch ausgewählt. Haben Sie weder Scheu noch Scham, sich bei Schwierigkeiten Unterstützung zu holen! Notieren Sie sich bei Bedarf am besten direkt für Sie passende Adressen/Links und/oder nehmen Sie die Ihnen angebotene Unterstützung wahr, auch bei der Suche nach einem passenden Konzept!</p>
<h4><strong>Landeseigenes Präventionskonzept „stark.stärker.WIR.“</strong></h4>
<p>Im letzten Abschnitt wird die Frage nach dem Erfolg des landesspezifischen Rahmenpräventionskonzepts „stark.stärker.WIR.“ in den Fokus gerückt. Es wird zum einen das Potenzial des Konzepts dargestellt, zum anderen wird ein Zwischenbericht aus dem Jahr 2015 um Erfolg des Konzepts beleuchtet. Leistet das Konzept tatsächlich einen Beitrag zu einer nachhaltigen Verankerung von Prävention mit dem Ziel der schulischen Gesundheitsförderung?</p>
<p><strong>Das Konzept</strong></p>
<p>Mit dem Ziel einer erfolgreichen schulischen Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung sorgt das im Jahr 2009<sup>11</sup> entwickelte Konzept „stark.stärker.WIR.“ für geeignete Rahmenbedingungen und Strukturen auf drei sozialen Ebenen – individueller Ebene, Klassenebene und Schulebene. Gemäß dem Konzept werden alle Schulakteure und -akteurinnen sowie auch externe Netzwerkpartner in die Prävention einbezogen. Auf individueller Ebene stehen Gewalt- und Suchtprävention sowie die Gesundheitsförderung im Zentrum der schulischen Präventionsarbeit, auf Klassenebene die Lebenskompetenzen. Schulen können die Begleitung von Präventionsbeauftragten bei der Umsetzung von „stark.stärker.WIR.“ in Anspruch nehmen. Die Präventionsbeauftragten unterstützen Schulen bei der Implementierung von Präventionsprogrammen und vermitteln Kontakte zu weiteren schulinternen und -externen Kooperationspartnern. Weiterhin werden Fortbildungen für Lehrkräfte sowie thematische Elternabende angeboten. Die kostenlos im Internet verfügbare Handreichung zu „stark.stärker.WIR.“ gewährt einen umfangreichen Einblick mit Schaubildern in das Rahmenkonzept und die einzelnen Themen der Präventionsarbeit je sozialer Ebene<sup>11</sup>.</p>
<p><strong>Ziele des Konzepts</strong></p>
<p>Im Einzelnen werden die folgenden Ziele angestrebt:</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 12pt;">„Schule ist ein Raum, in dem die Würde und die Gesundheit jedes Einzelnen geachtet werden.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;"></span><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte fühlen sich sicher; ihre Konfliktlösungskompetenz ist gestärkt.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler verfügen über gute Voraussetzungen zur Lebensbewältigung und -entfaltung.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Schülerinnen und Schüler sind in ihrer Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit gestärkt.</span></li>
<li><span style="font-size: 12pt;">Präventionsarbeit an Schulen erfolgt nachhaltig, zielgerichtet und systematisch.“<sup>11</sup></span></li>
</ul>
<p><strong>Erfolg des Konzepts?</strong><br /><strong>Ja, mit Verbesserungspotenzialen!</strong></p>
<p>Positiv festzuhalten sind die breite Akzeptanz des Präventionskonzepts und dass grundsätzlich die Zielsetzungen des Konzepts erreicht werden. Fenzl et al. [2015, S. 3] fassen zusammen:</p>
<p style="padding-left: 30px;">„Auf Grundlage der vorliegenden Daten kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die Umsetzung des Präventionskonzepts stark.stärker.WIR. – entsprechend der intendierten Zielsetzung – einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur Etablierung einer systematischen, zielgerichteten und nachhaltigen Präventionsarbeit an Schulen leisten kann.“</p>
<p>Die Forschenden betonen aber auch die Problematik fehlender Ressourcen, die zu nur einer teilweisen Umsetzung des Programms führen, obwohl gerade die Rahmenbedingungen der entscheidende Erfolgsfaktor von „stark.stärker.WIR,“ sind<sup>15</sup>. So zeigte eine Optimierung des Rahmenkonzepts positive Auswirkungen auf das Klassenklima, das Gefühl sozialer Verbundenheit und eine Reduktion von Gewalt<sup>16</sup>.</p>
<p><strong>Was Sie tun können</strong></p>
<p>Eltern, Lernende und Lehrende können nur wenig an den mangelnden Ressourcen ändern, und die Entwicklung geeigneter Wirkmodelle obliegt Forschenden. Aber diese Artikelserie und Sie als Leserinnen und Leser können den Bekanntheitsgrad von „stark.stärker.WIR.“ erhöhen, für den der Zwischenbericht noch Luft nach oben sah<sup>15</sup>.</p>
<h4><strong>Fazit</strong></h4>
<p>Eine gemeinsame Grundhaltung aller Beteiligten ist Basis für eine starke Schulgemeinschaft. Das Kultusministerium von Baden-Württemberg sagt15: <br />„Gemeinsam gelingt stark.stärker.WIR.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="alert-dark" style="padding: 10px;"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Zur Autorin</strong></span><br /><span style="font-size: 10pt;">Sandra Fuchs hat sich während des Masterstudiums als freie Lektorin, (Ko-)Autorin und Schreibberaterin selbstständig gemacht. Das Fach Bildungspsychologie sowie Fortbildungen in beispielsweise gewaltfreier Kommunikation oder Beratung in der Sozialen Arbeit haben die Psychologin unter anderem für das weite Feld der Gesundheit im Bildungskontext begeistert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 10pt;">Literatur</span></p>
<ol>
<li><span style="font-size: 10pt;">Kickbusch, I. &amp; Hartung, S. (2015). Die Gesundheitsgesellschaft. Konzepte für eine gesundheitsförderliche Politik (2., vollst. überarb. Aufl.). Huber. Abgerufen am 07.11.2024 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Koch Institut (RKI) (2024). Gesundheitskompetenz. Abgerufen am 08.11.2024</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Paulus, P. &amp; Dadaczynski, K. (2024). Gesundheitsförderung und Schule. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). Abgerufen am 06.11.2024 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung. Abgerufen am 17.05.2025</span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL). Abgerufen am 17.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Bosch Stiftung (2024). Abgerufen am 08.03.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">Robert Bosch Stiftung (2024). Deutsches Schulbarometer: Abgerufen am 18.05.2025 </span></li>
<li><span style="font-size: 10pt;">AOK-Bundesverband (06.12.2022). AOK-Familienstudie 2022. Abgerufen am 17.05.2025 </span></li>
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           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 6, Juli 2025</category>
           <pubDate>Sat, 26 Jul 2025 17:11:00 +0200</pubDate>
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