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       <title>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024 - Landeselternbeirat Baden-Württemberg</title>
       <description><![CDATA[<p class="h6">VIER ARTIKEL ALS LESEBROBE FINDEN SIE WEITER UNTEN. HIER DAS VORWORT ZU DIESER AUSGABE:</p>
<p>Liebe Leserin. lieber Leser,</p>
<p>und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.<br />Beim Verfassen dieser bekannten Zeile hat Hermann Hesse sicherlich nicht an den Beginn eines Schuljahrs gedacht. Und doch ist nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für Eltern, Lehrkräfte und alle an und mit Schule Beschäftigten der Schuljahreswechsel mitunter eine große Zäsur. Wohnt ihr aber auch ein Zauber inne?&nbsp;</p>
<p>Bei den traditionellen Pressekonferenzen zum Schuljahresbeginn war in Stuttgart die Meinung zweigeteilt. Die Berufsverbände der Lehrkräfte und der Landesschülerbeirat betonten eher die Aspekte eines gewissen „faulen Zaubers“; das Kultusministerium beschrieb in leuchtenden Farben, was alles auf den Weg gebracht wurde und in den kommenden elf Monaten bis Ende des Schuljahrs 24/25 seine Wirkung entfalten werde. Nicht gerade zauberhaft, aber doch weitreichend und tiefgehend positiv.&nbsp;</p>
<p>Allein, es fehlt ein wenig der Glaube.<br />Die Bildungsreform, deren grobe Linien seit Mai feststehen und die nun Hals über Kopf in eine Schulgesetz-Änderung gegossen wurden, ist mit derart heißer Nadel gestrickt, dass eine eingehende Prüfung schwerlich innerhalb der Fristen möglich war. Immerhin benötigt diese Gesetzesänderung ein parlamentarisches Verfahren, bevor die in Folge nötigen Details in Verwaltungsvorschriften gegossen werden können. Diese sind wiederum nötig, damit Schulverwaltung und Schulen den Wandel auch umsetzen können. Wenn also zum Schuljahresstart im September 2025 G9 wieder Realität werden soll, muss davor viel geschehen. Und zumindest hierbei wäre es nicht verkehrt, wenn es die ein oder andere Zauberkraft gäbe.&nbsp;</p>
<p>Abseits der großen Reform hat uns aber nach wie vor die bittere Realität fest im Griff:<br />Trotz einer leichten Tendenz in Richtung Besserung scheint an der Basis der Lehrkräftemangel noch genauso groß wie zuvor. In Zeiten leerer Kassen und ungewisser Steuereinnahmen sind auch umfassend notwendige Investitionen in Schulbauten und deren Ausstattung oftmals eher Wunschdenken als Realität. Und der eigentlich notwendige „Doppel-Wumms“ bei dem ein oder anderen Bildungs-Finanzpaket scheitert an politischem Hickhack zwischen Bund und Ländern.&nbsp;</p>
<p>Insofern wäre für alle Akteure rund um Schule im Land doch ein Zauber notwendig. Und zwar – ganz wie Hesse schreibt – einer, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Denn lebensfähige Schulen und eine nachhaltig finanzierte, gute Bildung sind nötig für die Zukunft. Für unsere Kinder und damit auch für unser Land als Ganzes.<br />Denn das ist ja das eigentlich Erstaunliche: Obgleich es ein Allgemeinplatz ist, dass Bildungsinvestitionen Zukunftsinvestitionen sind und letztere ohne erstere nicht gerade rosig aussehen wird, ist scheinbar bei denen, die die Finanzschatulle verwalten und deren Aufteilung bestimmen, diese Kenntnis noch nicht so ganz durchgesickert.&nbsp;</p>
<p>Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Bewusstsein vielleicht doch noch in Taten umgesetzt wird. Auch in diesem Schuljahr.<br /><strong>Für unsere Kinder.</strong></p>
<p>Sebastian Kölsch<br />Vorsitzender des 20. Landeselternbeirats</p>
<p>&nbsp;</p>]]></description>
       <link>https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-1-november-2024?format=html</link>
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           <title>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024 - Landeselternbeirat Baden-Württemberg</title>
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              <item>
           <title>Ein Detail, das so gar nicht stimmig ist</title>
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           <media:title type="plain">Ein Detail, das so gar nicht stimmig ist</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h2>Dem Gymnasium wird nicht nur sein neuntes Schuljahr zurückgegeben, sondern gleich eine neue Definition verpasst. Warum?</h2>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Sebastian Kölsch</span></p>
<p><strong>Man muss schon einen großen Fetisch für trockene Gesetzestexte haben und Zeit mitbringen, viel Zeit. Nur dann nämlich hat man die Chance, sich durch den kurz vor den Sommerferien vorgelegten Entwurf des „Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes“ durchzuwursteln.</strong></p>
<p>Und wenn man dann alle Details durchgeackert hat, von denen man wusste, dass sie kommen, nur das „wie“ noch interessant ist, könnte man die ein oder andere Passage vielleicht überlesen. So wie Artikel 3, Nummer 4.</p>
<h3><strong>Definition des Gymnasiums</strong></h3>
<p>§ 8 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg beschreibt die Aufgabe und grobe Gliederung der Schulart Gymnasium. Bisher steht hier in Absatz 1:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: 14pt;">Das Gymnasium vermittelt Schülern mit entsprechenden Begabungen und Bildungsabsichten eine breite und vertiefte Allgemeinbildung, die zur Studierfähigkeit führt.</span></p>
</blockquote>
<p>Dieser erste Satz des Gymnasial-Paragraphen beschreibt seit 1983 die Daseinsberechtigung des Gymnasiums hinsichtlich der ihm zugedachten Gruppe von Schülerinnen und Schülern und dem klaren Ziel der Schule.<br />Anders als die anderen Schularten geht es nämlich (bisher) beim Gymnasium ganz klar und transparent darum, den Schülerinnen und Schülern eine Bildung angedeihen zu lassen, die zur Studierfähigkeit führt. Weiter heißt es in der Gymnasial-Definition: <br />„Es fördert insbesondere die Fähigkeiten, theoretische Erkenntnisse nachzuvollziehen, schwierige Sachverhalte geistig zu durchdringen sowie vielschichtige Zusammenhänge zu durchschauen, zu ordnen und verständlich vortragen und darstellen zu können.“</p>
<p>Das ist schon recht eindeutig, sollte man meinen. Wenngleich die aktuelle Zahl der Gymnasial- Empfehlungen vermuten lässt, dass diese Definition bisher nicht allen empfehlenden Grundschul-Lehrkräften in ihrer Konsequenz und Deutlichkeit geläufig war.</p>
<h3><strong>Änderung von § 8 Absatz 1</strong></h3>
<p>In der nun vorliegenden Änderung liest sich das gänzlich anders. Der neu gefasst Absatz 1 soll das Gymnasium künftig so definieren:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: 14pt;">Das Gymnasium vermittelt Schülerinnen und Schülern mit entsprechenden Begabungen und Bildungsabsichten eine breite und vertiefte Allgemeinbildung, die zur Studierfähigkeit, zur fundierten Studienfach- und Berufswahl sowie zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung befähigt.</span></p>
</blockquote>
<p>Im Klartext bedeutet dies, dass neben der Studierfähigkeit auch die unmittelbare Berufswahl oder der Beginn einer Ausbildung nicht nur Möglichkeiten sind, sondern explizit gleichberechtigtes Ziel des Gymnasiums sind.</p>
<p>„Ja und ..?!“, mag sich die eine oder der andere nun fragen. Wenn man sich die aktuelle Statistik anschaut, was junge Erwachsene mit Abitur in der Tasche aktuell so tun, greift hier die geplante Änderung des Paragraphen 8 lediglich den Status quo auf und normalisiert die Realität.</p>
<h3><strong>Die neue „Haupt“-Schule ...?</strong></h3>
<p>Einmal ganz abgesehen davon, dass der Ge- setzgeber nie gut beraten ist, Gesetze dahinge- hend zu ändern, dass sie die Realität abbilden, sondern eher versucht werden sollte, Inhalt und Idee von Gesetzen durch entsprechendes Handeln auch abzubilden bzw. durchzusetzen, passiert mit der neuen Definition des Gymnasiums genau eines: Das Gymnasium droht zur vermeintlich neuen Schule für alle zu werden, zu einer „Haupt“-Schule eben. Über 50% Gymnasialempfehlungen bereits nach alter Definition geben den Trend klar vor. Wo die meisten hingehen, muss es auch für alle gut sein. Und wenn jegliche Art der Zukunftsgestaltung von Ausbildung über Aufnahme eines Berufs bis zum Studium gleichermaßen und gleichberechtigt zum Sinn des Gymnasiums erklärt werden, muss das Gymnasium folgerichtig also auch für alle die richtige Schule sein.</p>
<h3><strong>Sehenden Auges an die Wand</strong></h3>
<p>Das ist es aber nicht. Und das soll es bitte auch nicht werden. Ganz im Gegenteil: Diese Neudefinition ist die Festschreibung genau der Konsequenz, die alle – zu Recht – durch die Wiedereinführung von G9 als Schreckensszenario an die Wand gemalt haben. Mache ich das Gymnasium durch ein zusätzliches Schuljahr weniger stressig, werden einige Eltern, deren Kinder eigentlich eine Gymnasialempfehlung haben, die aber bisher eine andere Schulart gewählt hatten, nun ihr Kind auch ans Gymnasium geben. Und einige ohne Gymnasialempfehlung werden dies auch versuchen.</p>
<p>Wenn nun aber der Schulzweck so breit gefasst wird, haben sie gemäß des geplanten neuen § 8(1) des Schulgesetzes auch eine Art gesetzlichen Freibrief dafür. „Wir wollen nicht so viele Kinder auf dem neuen G9, also fassen wir seine Aufgabe einfach breiter“, lautete hier wohl das eher kontraproduktive Credo. Dabei spontan an Schilda zu denken, ist zumindest nicht völlig abwegig.</p>
<h3><strong>Abwertung anderer Schularten</strong></h3>
<p>Gleichzeitig wird insbesondere den Haupt- und Realschulen, aber ein Stück weit auch den Gemeinschaftsschulen, ihr Alleinstellungsmerkmal genommen. Dadurch wird ein weiteres erklärtes Ziel der Maßnahmen an diesen Schularten, die die Auswirkungen von G9 abfedern sollten, ins Gegenteil verkehrt.</p>
<p>Wenn man nämlich Schularten aufwerten möchte, sollte man ihnen ein klares Profil geben. Durch den neuen Gymnasial-Paragraphen ist aber nun das Alleinstellungsmerkmal der Realschule in der allgemeinen Wahrnehmung höchstens noch „wie das Gymnasium, aber ohne Abitur“.</p>
<p>Berufsorientierung und Vorbereitung auf eine berufliche Ausbildung als essentiell wichtige Bausteine der Sekundarstufe 1 nun in vermeintlich gleicher Qualität und gleichem Umfang auch an Gymnasien anzubieten, droht zu einem fatalen Trugschluss zu werden, der sich in der Öffentlichkeit breitmacht. Und somit könnten auch jene die negativen Auswirkungen spüren, die intensiv für mehr Berufsorientierung an Gymnasien lobbyiert haben.</p>
<h3><strong>Durchlässigkeit des Schulsystems?</strong></h3>
<p>Wenn man sich jahrelang – zu Recht! – für das sehr gute berufliche Schulwesen im Land und auch für die Durchlässigkeit zwischen den Schularten auf die Brust klopft und auf die Schultern klopfen lässt, stellt sich nun zumindest die Frage, warum man dann so etwas Grundlegendes wie die Gymnasial-Definition auf den Kopf stellen möchte.</p>
<p>Mit den beruflichen Gymnasien haben wir zahlreiche Schulen, die genau das schon seit jeher machen und auch gut machen, was nun auch das allgemeinbildende Gymnasium tun soll. Das Land bietet jeder Schülerin und jedem Schüler, auch den erst später in oder nach der Pubertät durchstartenden, die Möglichkeit, einen Schulweg zu gehen, der – wenn es das denn sein soll – zum Abitur und damit zur Studierfähigkeit führt. Die nun geplante Änderung kann im schlimmsten Fall zu einer Abwertung der gymnasialen Bildung führen. Und damit wäre dann keinem Kind geholfen.</p>
<p class="alert-info"><span style="font-size: 10pt; padding: 20px;">Die Stellungnahme des Landeselternbeirats zur Schulgesetz-Änderung und alle weiteren finden sich auf <a href="infos-downloads/stellungnahmen"><strong>leb-bw.de/stellungnahmen</strong></a></span></p>]]></media:description>
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           <description><![CDATA[<h2>Dem Gymnasium wird nicht nur sein neuntes Schuljahr zurückgegeben, sondern gleich eine neue Definition verpasst. Warum?</h2>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Sebastian Kölsch</span></p>
<p><strong>Man muss schon einen großen Fetisch für trockene Gesetzestexte haben und Zeit mitbringen, viel Zeit. Nur dann nämlich hat man die Chance, sich durch den kurz vor den Sommerferien vorgelegten Entwurf des „Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes“ durchzuwursteln.</strong></p>
<p>Und wenn man dann alle Details durchgeackert hat, von denen man wusste, dass sie kommen, nur das „wie“ noch interessant ist, könnte man die ein oder andere Passage vielleicht überlesen. So wie Artikel 3, Nummer 4.</p>
<h3><strong>Definition des Gymnasiums</strong></h3>
<p>§ 8 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg beschreibt die Aufgabe und grobe Gliederung der Schulart Gymnasium. Bisher steht hier in Absatz 1:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: 14pt;">Das Gymnasium vermittelt Schülern mit entsprechenden Begabungen und Bildungsabsichten eine breite und vertiefte Allgemeinbildung, die zur Studierfähigkeit führt.</span></p>
</blockquote>
<p>Dieser erste Satz des Gymnasial-Paragraphen beschreibt seit 1983 die Daseinsberechtigung des Gymnasiums hinsichtlich der ihm zugedachten Gruppe von Schülerinnen und Schülern und dem klaren Ziel der Schule.<br />Anders als die anderen Schularten geht es nämlich (bisher) beim Gymnasium ganz klar und transparent darum, den Schülerinnen und Schülern eine Bildung angedeihen zu lassen, die zur Studierfähigkeit führt. Weiter heißt es in der Gymnasial-Definition: <br />„Es fördert insbesondere die Fähigkeiten, theoretische Erkenntnisse nachzuvollziehen, schwierige Sachverhalte geistig zu durchdringen sowie vielschichtige Zusammenhänge zu durchschauen, zu ordnen und verständlich vortragen und darstellen zu können.“</p>
<p>Das ist schon recht eindeutig, sollte man meinen. Wenngleich die aktuelle Zahl der Gymnasial- Empfehlungen vermuten lässt, dass diese Definition bisher nicht allen empfehlenden Grundschul-Lehrkräften in ihrer Konsequenz und Deutlichkeit geläufig war.</p>
<h3><strong>Änderung von § 8 Absatz 1</strong></h3>
<p>In der nun vorliegenden Änderung liest sich das gänzlich anders. Der neu gefasst Absatz 1 soll das Gymnasium künftig so definieren:</p>
<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: 14pt;">Das Gymnasium vermittelt Schülerinnen und Schülern mit entsprechenden Begabungen und Bildungsabsichten eine breite und vertiefte Allgemeinbildung, die zur Studierfähigkeit, zur fundierten Studienfach- und Berufswahl sowie zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung befähigt.</span></p>
</blockquote>
<p>Im Klartext bedeutet dies, dass neben der Studierfähigkeit auch die unmittelbare Berufswahl oder der Beginn einer Ausbildung nicht nur Möglichkeiten sind, sondern explizit gleichberechtigtes Ziel des Gymnasiums sind.</p>
<p>„Ja und ..?!“, mag sich die eine oder der andere nun fragen. Wenn man sich die aktuelle Statistik anschaut, was junge Erwachsene mit Abitur in der Tasche aktuell so tun, greift hier die geplante Änderung des Paragraphen 8 lediglich den Status quo auf und normalisiert die Realität.</p>
<h3><strong>Die neue „Haupt“-Schule ...?</strong></h3>
<p>Einmal ganz abgesehen davon, dass der Ge- setzgeber nie gut beraten ist, Gesetze dahinge- hend zu ändern, dass sie die Realität abbilden, sondern eher versucht werden sollte, Inhalt und Idee von Gesetzen durch entsprechendes Handeln auch abzubilden bzw. durchzusetzen, passiert mit der neuen Definition des Gymnasiums genau eines: Das Gymnasium droht zur vermeintlich neuen Schule für alle zu werden, zu einer „Haupt“-Schule eben. Über 50% Gymnasialempfehlungen bereits nach alter Definition geben den Trend klar vor. Wo die meisten hingehen, muss es auch für alle gut sein. Und wenn jegliche Art der Zukunftsgestaltung von Ausbildung über Aufnahme eines Berufs bis zum Studium gleichermaßen und gleichberechtigt zum Sinn des Gymnasiums erklärt werden, muss das Gymnasium folgerichtig also auch für alle die richtige Schule sein.</p>
<h3><strong>Sehenden Auges an die Wand</strong></h3>
<p>Das ist es aber nicht. Und das soll es bitte auch nicht werden. Ganz im Gegenteil: Diese Neudefinition ist die Festschreibung genau der Konsequenz, die alle – zu Recht – durch die Wiedereinführung von G9 als Schreckensszenario an die Wand gemalt haben. Mache ich das Gymnasium durch ein zusätzliches Schuljahr weniger stressig, werden einige Eltern, deren Kinder eigentlich eine Gymnasialempfehlung haben, die aber bisher eine andere Schulart gewählt hatten, nun ihr Kind auch ans Gymnasium geben. Und einige ohne Gymnasialempfehlung werden dies auch versuchen.</p>
<p>Wenn nun aber der Schulzweck so breit gefasst wird, haben sie gemäß des geplanten neuen § 8(1) des Schulgesetzes auch eine Art gesetzlichen Freibrief dafür. „Wir wollen nicht so viele Kinder auf dem neuen G9, also fassen wir seine Aufgabe einfach breiter“, lautete hier wohl das eher kontraproduktive Credo. Dabei spontan an Schilda zu denken, ist zumindest nicht völlig abwegig.</p>
<h3><strong>Abwertung anderer Schularten</strong></h3>
<p>Gleichzeitig wird insbesondere den Haupt- und Realschulen, aber ein Stück weit auch den Gemeinschaftsschulen, ihr Alleinstellungsmerkmal genommen. Dadurch wird ein weiteres erklärtes Ziel der Maßnahmen an diesen Schularten, die die Auswirkungen von G9 abfedern sollten, ins Gegenteil verkehrt.</p>
<p>Wenn man nämlich Schularten aufwerten möchte, sollte man ihnen ein klares Profil geben. Durch den neuen Gymnasial-Paragraphen ist aber nun das Alleinstellungsmerkmal der Realschule in der allgemeinen Wahrnehmung höchstens noch „wie das Gymnasium, aber ohne Abitur“.</p>
<p>Berufsorientierung und Vorbereitung auf eine berufliche Ausbildung als essentiell wichtige Bausteine der Sekundarstufe 1 nun in vermeintlich gleicher Qualität und gleichem Umfang auch an Gymnasien anzubieten, droht zu einem fatalen Trugschluss zu werden, der sich in der Öffentlichkeit breitmacht. Und somit könnten auch jene die negativen Auswirkungen spüren, die intensiv für mehr Berufsorientierung an Gymnasien lobbyiert haben.</p>
<h3><strong>Durchlässigkeit des Schulsystems?</strong></h3>
<p>Wenn man sich jahrelang – zu Recht! – für das sehr gute berufliche Schulwesen im Land und auch für die Durchlässigkeit zwischen den Schularten auf die Brust klopft und auf die Schultern klopfen lässt, stellt sich nun zumindest die Frage, warum man dann so etwas Grundlegendes wie die Gymnasial-Definition auf den Kopf stellen möchte.</p>
<p>Mit den beruflichen Gymnasien haben wir zahlreiche Schulen, die genau das schon seit jeher machen und auch gut machen, was nun auch das allgemeinbildende Gymnasium tun soll. Das Land bietet jeder Schülerin und jedem Schüler, auch den erst später in oder nach der Pubertät durchstartenden, die Möglichkeit, einen Schulweg zu gehen, der – wenn es das denn sein soll – zum Abitur und damit zur Studierfähigkeit führt. Die nun geplante Änderung kann im schlimmsten Fall zu einer Abwertung der gymnasialen Bildung führen. Und damit wäre dann keinem Kind geholfen.</p>
<p class="alert-info"><span style="font-size: 10pt; padding: 20px;">Die Stellungnahme des Landeselternbeirats zur Schulgesetz-Änderung und alle weiteren finden sich auf <a href="infos-downloads/stellungnahmen"><strong>leb-bw.de/stellungnahmen</strong></a></span></p>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024</category>
           <pubDate>Thu, 31 Oct 2024 23:00:00 +0100</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Zukünftig ohne Werkrealität</title>
           <link>https://leb-bw.de/infos-downloads/schule-im-blickpunkt/schuljahr-2024-25/sib-schuljahr-2024-25-nr-1-november-2024/956-zukuenftig-ohne-werkrealitaet?format=html</link>
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           <media:title type="plain">Zukünftig ohne Werkrealität</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<div class="page" title="Page 6">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Matthias Zeitler, Lehrer an einer Werkrealschule</span></p>
<p><strong>Lehrkräfte und Bildungs-Influencer fordern schon lange eine Reform des Bildungssystems. Nun kommt sie in Baden-Württemberg. Was bedeutet die Reform für die Werkrealschulen, für die die Änderungen einen großen Einschnitt bedeuten?</strong></p>
<p>Der Werkrealschulabschluss wird zum Schuljahr 2029/2030 wegfallen. Die Werkrealschulen haben drei Möglichkeiten. Entweder sie schließen sich mit einer Realschule zu einer Verbundrealschule zusammen oder sie werden zu einer Gemeinschaftsschule. Gut laufende Werkrealschulen dürfen auch allein bestehen bleiben. In jedem der Fälle steht fest: Der Werkrealschulabschluss fällt weg.</p>
<p>Begründet wird der Wegfall mit der Minimierung der Werkrealschulen. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl dieser Schulart von 583 auf 229 geschrumpft. Das ist klar, wenn man immer nur darauf schaut, dass es an manchen Werkrealschulen nur sehr kleine 5. Klassen gibt. Gibt es in zwei Jahren in Folge nicht mindestens 16 Kinder in der 5. Klasse, wird die Schule geschlossen, ohne zu beachten, dass in Klasse sieben und acht wieder viele Jugendliche aus anderen Schularten zurückkommen.</p>
<p>Spielen wir einmal die drei Szenarien durch: Die Werkrealschule, die sich dazu entscheidet, weiter allein zu bestehen, kann das nur so lange tun, wie sie genügend Fünftklässler bekommt. Sonst wird sie abgeschafft. Sie heißt aber weiterhin Werkrealschule, ohne den dementsprechenden Abschluss anzubieten. Die Verwirrung bei Eltern dürfte jetzt schon komplett sein. Zudem entzieht man der Schulart DAS Argument einen gleichwertigen mittleren Abschluss erlangen zu können, ohne die Beziehungsarbeit in der Klasse aufzugeben.</p>
<p>Die Verbundrealschule ist nur dann eine Lösung, wenn es in der Nähe der Werkrealschule überhaupt eine Realschule gibt. Gleichzeitig bieten die Realschulen weiterhin M- und G-Niveau an. Realschullehrkräfte klagen schon jetzt darüber, beide Niveaustufen gleichzeitig nicht adäquat abbilden zu können. So liegt der Fokus doch eher auf dem M-Niveau.</p>
<p>Die Möglichkeit zur Gemeinschaftsschule zu werden, ist für viele Pädagogen schwierig. Schließlich gibt es gute Gründe, warum die noch bestehenden Werkrealschulen die Transformation nicht vollzogen haben. Solange Schüler von Gemeinschaftsschulen zurückkommen, weil sie mit der dortigen Arbeitsform und Selbstständigkeit nicht klarkommen, braucht es alle Schularten. Die Gemeinschaftsschule ist wichtig, aber mit dem Lehrermangel und in der aktuellen Umsetzung (noch) nicht das Allheilmittel, für die sie gehalten wird.</p>
<p>Schulleitungen der Gemeinschaftsschulen erzählen, dass sie ehrlicherweise die Beziehungsarbeit, in der Form, wie sie an der Werkrealschule gemacht wird, nicht auf Dauer halten können, weil es ab Klasse 7/8 doch wieder um eine Gründung von gymnasialen Stufen geht.</p>
<p>Schauen wir genauer auf die Jugendlichen, die in der Bildungsreform mit ihren Bedürfnissen einmal mehr übersehen werden. Diese Schüler, mit ihrem etwas größeren Rucksack, die schulmüde in Klasse fünf auf der Suche nach ihrem schulischen Erfolg sind, sind nicht einfach mit einer Reform weg.<br /> Was brauchen diese Jugendlichen, was sie an keiner anderen weiterführenden Schulart in dieser Ausprägung bekommen? In einem Wort: Beziehungsarbeit.</p>
<p>Diese Teenager haben vier Jahre frustriert gesehen, was alle anderen viel besser können als man selbst. An der Werkrealschule baut man das Selbstbewusstsein von schulmüden Kindern erstmal jahrelang auf, bis dann irgendwann eine Art selbstständiges Lernen möglich ist. Das ist vor allem mit dem Klassenlehrerprinzip möglich, dass es in der Ausprägung auch nur an der Werkrealschule gibt.</p>
<p>Kurzum: Die Reform bringt für die Werkrealschule und die dortige Schülerschaft nichts. Um für sie effektiv zu sein, braucht es etwas anderes: Endlich mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und damit dann alles Geld, Personal etc. erstmal in die Grundschulen, damit sie schon dort ihren Bedürfnissen nach gefördert werden können. Es braucht eine gesellschaftliche Wertschätzung aller Menschen und Abschlüsse und dabei dürfen auf keinen Fall Werkrealschulen auf der Strecke bleiben. Anstatt die Schulart zu stärken, die für die da ist, die mehr Unterstützung brauchen, wird in der Bildungsreform vor allem wieder der Weg zum Abitur besonders betont. „Ein faires – starkes Bildungspaket!“ sagt Ministerpräsident Kretschmann. Nicht für alle. Hauptsächlich nur für die, die starke Leistung zeigen können. Hoffen wir, dass es anders kommt – zum Wohle der Jugendlichen!</p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Person</strong><br />Moderator, Fortbildner und Lehrer: Matthias Zeitler ist alles drei und eigentlich liegen die Professionen ja sehr nah beieinander. Auf Instagram schickt er sich außerdem an, Influencer zu werden, einen Podcast hat er auch und das erste Buch geschrieben. Mit seiner Schwäche für Hüte und Kappen ist er immer leicht zu erkennen und von sich selbst sagt er: „Ich liebe Musik und Livekonzerte. Daher fühle ich mich im Schulsystem und auf der Bühne auch manchmal wie ein Punkrocker.“</p>
</div>
</div>
</div>]]></media:description>
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           <description><![CDATA[<div class="page" title="Page 6">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Matthias Zeitler, Lehrer an einer Werkrealschule</span></p>
<p><strong>Lehrkräfte und Bildungs-Influencer fordern schon lange eine Reform des Bildungssystems. Nun kommt sie in Baden-Württemberg. Was bedeutet die Reform für die Werkrealschulen, für die die Änderungen einen großen Einschnitt bedeuten?</strong></p>
<p>Der Werkrealschulabschluss wird zum Schuljahr 2029/2030 wegfallen. Die Werkrealschulen haben drei Möglichkeiten. Entweder sie schließen sich mit einer Realschule zu einer Verbundrealschule zusammen oder sie werden zu einer Gemeinschaftsschule. Gut laufende Werkrealschulen dürfen auch allein bestehen bleiben. In jedem der Fälle steht fest: Der Werkrealschulabschluss fällt weg.</p>
<p>Begründet wird der Wegfall mit der Minimierung der Werkrealschulen. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl dieser Schulart von 583 auf 229 geschrumpft. Das ist klar, wenn man immer nur darauf schaut, dass es an manchen Werkrealschulen nur sehr kleine 5. Klassen gibt. Gibt es in zwei Jahren in Folge nicht mindestens 16 Kinder in der 5. Klasse, wird die Schule geschlossen, ohne zu beachten, dass in Klasse sieben und acht wieder viele Jugendliche aus anderen Schularten zurückkommen.</p>
<p>Spielen wir einmal die drei Szenarien durch: Die Werkrealschule, die sich dazu entscheidet, weiter allein zu bestehen, kann das nur so lange tun, wie sie genügend Fünftklässler bekommt. Sonst wird sie abgeschafft. Sie heißt aber weiterhin Werkrealschule, ohne den dementsprechenden Abschluss anzubieten. Die Verwirrung bei Eltern dürfte jetzt schon komplett sein. Zudem entzieht man der Schulart DAS Argument einen gleichwertigen mittleren Abschluss erlangen zu können, ohne die Beziehungsarbeit in der Klasse aufzugeben.</p>
<p>Die Verbundrealschule ist nur dann eine Lösung, wenn es in der Nähe der Werkrealschule überhaupt eine Realschule gibt. Gleichzeitig bieten die Realschulen weiterhin M- und G-Niveau an. Realschullehrkräfte klagen schon jetzt darüber, beide Niveaustufen gleichzeitig nicht adäquat abbilden zu können. So liegt der Fokus doch eher auf dem M-Niveau.</p>
<p>Die Möglichkeit zur Gemeinschaftsschule zu werden, ist für viele Pädagogen schwierig. Schließlich gibt es gute Gründe, warum die noch bestehenden Werkrealschulen die Transformation nicht vollzogen haben. Solange Schüler von Gemeinschaftsschulen zurückkommen, weil sie mit der dortigen Arbeitsform und Selbstständigkeit nicht klarkommen, braucht es alle Schularten. Die Gemeinschaftsschule ist wichtig, aber mit dem Lehrermangel und in der aktuellen Umsetzung (noch) nicht das Allheilmittel, für die sie gehalten wird.</p>
<p>Schulleitungen der Gemeinschaftsschulen erzählen, dass sie ehrlicherweise die Beziehungsarbeit, in der Form, wie sie an der Werkrealschule gemacht wird, nicht auf Dauer halten können, weil es ab Klasse 7/8 doch wieder um eine Gründung von gymnasialen Stufen geht.</p>
<p>Schauen wir genauer auf die Jugendlichen, die in der Bildungsreform mit ihren Bedürfnissen einmal mehr übersehen werden. Diese Schüler, mit ihrem etwas größeren Rucksack, die schulmüde in Klasse fünf auf der Suche nach ihrem schulischen Erfolg sind, sind nicht einfach mit einer Reform weg.<br /> Was brauchen diese Jugendlichen, was sie an keiner anderen weiterführenden Schulart in dieser Ausprägung bekommen? In einem Wort: Beziehungsarbeit.</p>
<p>Diese Teenager haben vier Jahre frustriert gesehen, was alle anderen viel besser können als man selbst. An der Werkrealschule baut man das Selbstbewusstsein von schulmüden Kindern erstmal jahrelang auf, bis dann irgendwann eine Art selbstständiges Lernen möglich ist. Das ist vor allem mit dem Klassenlehrerprinzip möglich, dass es in der Ausprägung auch nur an der Werkrealschule gibt.</p>
<p>Kurzum: Die Reform bringt für die Werkrealschule und die dortige Schülerschaft nichts. Um für sie effektiv zu sein, braucht es etwas anderes: Endlich mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und damit dann alles Geld, Personal etc. erstmal in die Grundschulen, damit sie schon dort ihren Bedürfnissen nach gefördert werden können. Es braucht eine gesellschaftliche Wertschätzung aller Menschen und Abschlüsse und dabei dürfen auf keinen Fall Werkrealschulen auf der Strecke bleiben. Anstatt die Schulart zu stärken, die für die da ist, die mehr Unterstützung brauchen, wird in der Bildungsreform vor allem wieder der Weg zum Abitur besonders betont. „Ein faires – starkes Bildungspaket!“ sagt Ministerpräsident Kretschmann. Nicht für alle. Hauptsächlich nur für die, die starke Leistung zeigen können. Hoffen wir, dass es anders kommt – zum Wohle der Jugendlichen!</p>
<p class="alert-dark" style="font-size: 10pt; padding: 20px;"><strong>Zur Person</strong><br />Moderator, Fortbildner und Lehrer: Matthias Zeitler ist alles drei und eigentlich liegen die Professionen ja sehr nah beieinander. Auf Instagram schickt er sich außerdem an, Influencer zu werden, einen Podcast hat er auch und das erste Buch geschrieben. Mit seiner Schwäche für Hüte und Kappen ist er immer leicht zu erkennen und von sich selbst sagt er: „Ich liebe Musik und Livekonzerte. Daher fühle ich mich im Schulsystem und auf der Bühne auch manchmal wie ein Punkrocker.“</p>
</div>
</div>
</div>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024</category>
           <pubDate>Thu, 31 Oct 2024 22:00:00 +0100</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Beschweren – aber richtig</title>
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           <media:title type="plain">Beschweren – aber richtig</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<div class="docman_description">
<div itemprop="description">
<h3><strong>Eltern fragen – Michael Rux antwortet</strong></h3>
<p><strong>Frage:</strong> Ein Elternpaar hat sich bei mir als Klassenelternvertreterin beklagt: Eine Gruppe von Mädchen ist offenbar dabei, ihre Tochter, ein sehr nettes, aber recht schüchternes Kind zu hänseln, nicht nur verbal, sondern auch handgreiflich. Manchmal traue sich ihre Tochter kaum heimzulaufen, weil das auch auf dem Schulweg passiere. Die Eltern wissen also davon, haben aber Angst, ihrem Kind zu schaden, wenn sie die Sache „hochspielen“. Sie fragen sich (und mich), ob sie ihr Kind künftig mit dem Auto zur Schule bringen und abholen müssen.</p>
<p><strong>Michael Rux:</strong></p>
<p>Nein, zunächst ist hier die Schule gefordert, denn sie hat die gesetzliche Pflicht, jedem Fehlverhalten von Schülerinnen und Schülern entgegengetreten, auch dem Mobbing. In § 23 des Schulgesetzes wird der Schule (also nicht nur der Schulleitung, sondern allen Lehrkräften) die Berechtigung und damit auch die Pflicht erteilt, „die zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Schulbetriebs und zur Erfüllung der ihr übertragenen unterrichtlichen und erzieherischen Aufgaben erforderlichen Maßnahmen zu treffen“. Hierzu darf sie gemäß § 90 dieses Gesetzes „pädagogische Erziehungsmaßnahmen“ und, soweit diese nicht ausreichen, auch förmliche „Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“ ergreifen. Auch ein Fehlverhalten, das in den Schulbetrieb konkret feststellbar störend hineinwirkt, gilt als „schulbezogen“, deshalb muss die Schule Mobbing innerhalb der Klasse auch dann entgegentreten, wenn es außerhalb der Schule auf dem Schulweg stattfindet oder fortgesetzt wird. Die Eltern sollten sich zunächst an die Klassenlehrkraft und – falls dies erfolglos bleiben sollte – an die Schulleitung wenden. Falls die Eltern sich vor einer förmlichen „Beschwerde“ scheuen oder wenn sie sich sprachlich nicht sicher fühlen, können sie zu solchen Gesprächen eine Begleitperson mitbringen. Das könnte beispielsweise ein erfahrener Elternvertreter sein. Die kann auch eine Moderationsfunktion wahrnehmen, für einen freundlichen, aber bestimmten Ton sorgen und helfen, unnötigen Streit zu vermeiden. Hier gilt wie bei allen Verhandlungen: Höflichkeit ist bisweilen die schärfste Waffe. Wenn die Schulleitung sich zögerlich verhalten sollte, empfiehlt es sich beispielsweise, statt einer massiven Forderung oder gar der Drohung, das Schulamt einzuschalten, lieber eine Frage zu stellen: „Können wir das nicht vor Ort regeln, statt die Schulaufsichtsbehörde einzuschalten?“</p>
<p>Denn es ist immer die Doppelrolle der Schulleitung zu respektieren: Bei einer Elternbeschwerde muss sie einerseits den Beschäftigten „Schutz und Fürsorge“ leisten, also beispielsweise Lehrkräfte vor Denunziationen schützen, andererseits hat sie für einen geordneten Schulbetrieb zu sorgen und die Schülerinnen und Schüler vor Schaden zu bewahren. Sie muss deshalb, sofern sie die Beschwerde nicht als offensichtlich unbegründet zurückweist, den Sachverhalt aufklären und eventuelle Mängel beheben.</p>
<p>Wenn handfest belegbar ist, dass und wie ein Kind „gemobbt“, also verbale oder tätliche Gewalt ausgeübt wird, darf die Schule nicht untätig bleiben, und notfalls muss tatsächlich die Schulbehörde eingreifen. Aber das darf erst dann geschehen, wenn auf unterer Ebene nichts erreicht wird. Denn wie jede „Verwaltung“ muss auch die öffentliche Schule ihre Angelegenheiten zunächst selber regeln. Zwar haben Eltern keinen Dienstweg, sie können sich also bei jedermann/- frau und auf jede Weise beschweren, aber selbst dann, wenn sie sich an die Kultusministerin höchstpersönlich wenden, wird (muss!) diese zunächst „unten“ nachfragen: Was liegt denn konkret vor? Warum hat denn die untere Ebene (das ist zunächst die zuständige Lehrkraft und danach die Schulleitung) nicht für Ordnung gesorgt?</p>
</div>
</div>]]></media:description>
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           <description><![CDATA[<div class="docman_description">
<div itemprop="description">
<h3><strong>Eltern fragen – Michael Rux antwortet</strong></h3>
<p><strong>Frage:</strong> Ein Elternpaar hat sich bei mir als Klassenelternvertreterin beklagt: Eine Gruppe von Mädchen ist offenbar dabei, ihre Tochter, ein sehr nettes, aber recht schüchternes Kind zu hänseln, nicht nur verbal, sondern auch handgreiflich. Manchmal traue sich ihre Tochter kaum heimzulaufen, weil das auch auf dem Schulweg passiere. Die Eltern wissen also davon, haben aber Angst, ihrem Kind zu schaden, wenn sie die Sache „hochspielen“. Sie fragen sich (und mich), ob sie ihr Kind künftig mit dem Auto zur Schule bringen und abholen müssen.</p>
<p><strong>Michael Rux:</strong></p>
<p>Nein, zunächst ist hier die Schule gefordert, denn sie hat die gesetzliche Pflicht, jedem Fehlverhalten von Schülerinnen und Schülern entgegengetreten, auch dem Mobbing. In § 23 des Schulgesetzes wird der Schule (also nicht nur der Schulleitung, sondern allen Lehrkräften) die Berechtigung und damit auch die Pflicht erteilt, „die zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Schulbetriebs und zur Erfüllung der ihr übertragenen unterrichtlichen und erzieherischen Aufgaben erforderlichen Maßnahmen zu treffen“. Hierzu darf sie gemäß § 90 dieses Gesetzes „pädagogische Erziehungsmaßnahmen“ und, soweit diese nicht ausreichen, auch förmliche „Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“ ergreifen. Auch ein Fehlverhalten, das in den Schulbetrieb konkret feststellbar störend hineinwirkt, gilt als „schulbezogen“, deshalb muss die Schule Mobbing innerhalb der Klasse auch dann entgegentreten, wenn es außerhalb der Schule auf dem Schulweg stattfindet oder fortgesetzt wird. Die Eltern sollten sich zunächst an die Klassenlehrkraft und – falls dies erfolglos bleiben sollte – an die Schulleitung wenden. Falls die Eltern sich vor einer förmlichen „Beschwerde“ scheuen oder wenn sie sich sprachlich nicht sicher fühlen, können sie zu solchen Gesprächen eine Begleitperson mitbringen. Das könnte beispielsweise ein erfahrener Elternvertreter sein. Die kann auch eine Moderationsfunktion wahrnehmen, für einen freundlichen, aber bestimmten Ton sorgen und helfen, unnötigen Streit zu vermeiden. Hier gilt wie bei allen Verhandlungen: Höflichkeit ist bisweilen die schärfste Waffe. Wenn die Schulleitung sich zögerlich verhalten sollte, empfiehlt es sich beispielsweise, statt einer massiven Forderung oder gar der Drohung, das Schulamt einzuschalten, lieber eine Frage zu stellen: „Können wir das nicht vor Ort regeln, statt die Schulaufsichtsbehörde einzuschalten?“</p>
<p>Denn es ist immer die Doppelrolle der Schulleitung zu respektieren: Bei einer Elternbeschwerde muss sie einerseits den Beschäftigten „Schutz und Fürsorge“ leisten, also beispielsweise Lehrkräfte vor Denunziationen schützen, andererseits hat sie für einen geordneten Schulbetrieb zu sorgen und die Schülerinnen und Schüler vor Schaden zu bewahren. Sie muss deshalb, sofern sie die Beschwerde nicht als offensichtlich unbegründet zurückweist, den Sachverhalt aufklären und eventuelle Mängel beheben.</p>
<p>Wenn handfest belegbar ist, dass und wie ein Kind „gemobbt“, also verbale oder tätliche Gewalt ausgeübt wird, darf die Schule nicht untätig bleiben, und notfalls muss tatsächlich die Schulbehörde eingreifen. Aber das darf erst dann geschehen, wenn auf unterer Ebene nichts erreicht wird. Denn wie jede „Verwaltung“ muss auch die öffentliche Schule ihre Angelegenheiten zunächst selber regeln. Zwar haben Eltern keinen Dienstweg, sie können sich also bei jedermann/- frau und auf jede Weise beschweren, aber selbst dann, wenn sie sich an die Kultusministerin höchstpersönlich wenden, wird (muss!) diese zunächst „unten“ nachfragen: Was liegt denn konkret vor? Warum hat denn die untere Ebene (das ist zunächst die zuständige Lehrkraft und danach die Schulleitung) nicht für Ordnung gesorgt?</p>
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           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024</category>
           <pubDate>Thu, 31 Oct 2024 20:00:00 +0100</pubDate>
       </item>
              <item>
           <title>Die verlorene Generation</title>
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           <media:title type="plain">Die verlorene Generation</media:title>
           <media:description type="html"><![CDATA[<h2>Wie unser Bildungssystem unsere Kinder im Stich lässt – und wie wir das ändern können</h2>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Peter Buchmann, Mitglied des 20. Landeselternbeirats</span></p>
<p><strong>In den Klassenzimmern Deutschlands tickt eine Zeitbombe. unser einst so gepriesenes Bildungssystem, lange Zeit Vorbild für die Welt, droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Während sich die Welt um uns herum in atemberaubendem Tempo wandelt, verharren unsere Schulen in den Strukturen und Denkweisen vergangener Jahrzehnte. drei fundamentale Probleme stechen dabei besonders hervor und untergraben nicht nur die Qualität unserer Bildung, sondern gefährden die Zukunftsfähigkeit unserer gesamten Nation.</strong></p>
<h3><strong>Die Säulen eines bröckelnden Fundaments</strong></h3>
<p><strong>Das erste und vielleicht augenfälligste Problem ist die Art und Weise, wie wir Wissen vermitteln und bewerten. </strong>In einer Ara, in der Informationen buchstäblich per Fingertipp verfügbar sind, klammern sich unsere Schulen noch immer verzweifelt an das Prinzip des Auswendiglernens. Schüler pauken Jahreszahlen, Formeln und Fakten, als stünden wir noch im 19. Jahrhundert, als Wissen tatsächlich nur in Büchern zu finden war. Doch in unserer heutigen Welt, in der sich Wissen exponentiell vermehrt und gleichzeitig rasant veraltet, ist diese Herangehensweise nicht nur ineffizient – sie ist geradezu absurd.<br /> Die Ironie dabei ist, dass wir unseren Kindern genau die Fähigkeiten vorenthalten, die sie in der modernen Welt am dringendsten benötigen. Statt ihnen beizubringen, wie man effektiv recherchiert, wie man die Flut an Informationen filtert und bewertet oder wie man die Glaubwürdigkeit von Quellen einschätzt, zwingen wir sie, Daten zu memorieren, die sie im realen Leben jederzeit nachschlagen könnten.</p>
<p><strong>Das zweite Kernproblem ist die erdrückende last der Bürokratie und Überregulierung. </strong>Was einst als Qualitätssicherung gedacht war, hat sich zu einem monströsen Apparat entwickelt, der sich vor allem selbst erhält und rechtfertigt. Lehrer verbringen mehr Zeit damit, Formulare auszufüllen, als sich um die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler zu kümmern. Schulen ersticken unter einer Flut von Verordnungen, die jeden Innovationsgeist im Keim ersticken.</p>
<p>Das demotiviert engagierte Pädagogen und untergräbt ihre Professionalität. Es schafft ein Klima der Frustration, in dem echtes Lehren und Lernen kaum noch möglich sind. Schlimmer noch, es hat ein System geschaffen, das vorgibt, im Dienste der Bildung zu stehen, in Wahrheit aber nur noch sich selbst dient.</p>
<p>Die Tragik: Nicht nur Lehrer und Schüler werden im Stich gelassen, sondern letztlich die gesamte Gesellschaft. Es produziert eine Generation, die oft hilflos vor den realen Herausforderungen des Lebens steht. Es schafft eine Bildungslandschaft, die starr und unflexibel den rasanten Veränderungen entgegensteht.</p>
<p><strong>Das dritte Problem ist die Frage der Sicherheit in unseren Schulen. </strong>Dabei geht es nicht nur um physische Sicherheit, sondern auch um die emotionale und psychische Sicherheit unserer Kinder – unerlässliche Aspekte für ein effektives Lernen. Mobbing, Cybermobbing, Gewalt und Aggressivität, Drogenmissbrauch und psychische Belastungen sind Probleme, die oft nicht ausreichend adressiert werden. Es ist die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit, die darüber entscheidet, ob ein Kind gerne zur Schule geht oder sich dort bedroht fühlt. Und trotz vermeintlich sinkender Kriminalitätszahlen fühlen sich viele Kinder unsicherer denn je. Doch ein Umfeld, in dem sich Schüler nicht sicher fühlen, ist ein Umfeld, in dem effektives Lernen unmöglich ist. Es müsste aktiv daran gearbeitet werden, eine Schulkultur zu schaffen, in der sich jeder Schüler wertgeschätzt, respektiert und sicher fühlt. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die subjektiven Erfahrungen und Angste der Schüler ernst nimmt und gezielt darauf eingeht. Nur so können wir ein Lernumfeld schaffen, in dem sich unsere Kinder wohl und sicher fühlen. Die Kombination dieser drei Problemfelder – veraltete Lernmethoden, lähmende Bürokratie und mangelnde Sicherheit – bildet einen toxischen Cocktail, der die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes bedroht. Es ist ein System, das in der Vergangenheit gefangen ist, während die Welt um uns herum in die Zukunft rast. Ein System, das unsere Kinder nicht auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereitet, sondern sie im Gegenteil daran hindert, ihr volles Potenzial zu entfalten.</p>
<p>Wie aber kann ein Bildungssystem geschaffen werden, das unsere Kinder wirklich auf die Zukunft vorbereitet, das Kreativität und kritisches Denken fördert, das Lehrer inspiriert, statt sie zu frustrieren, und das ein sicheres und förderndes Umfeld für alle bietet?</p>
<h3><strong>Ein Plädoyer für radikale Reformen </strong></h3>
<p>Der Ausweg erfordert nichts weniger als eine Revolution in unserem Denken über Bildung und in der Art und Weise, wie wir sie gestalten und vermitteln.</p>
<p><strong>Die Art des Lernens: </strong>Was wir brauchen, ist ein radikaler Paradigmenwechsel. Die zentrale Frage sollte nicht mehr lauten „Was wissen unsere Schüler?“, sondern „Wie gehen unsere Schüler mit Wissen um?“. Wir müssen Schulen zu Orten machen, an denen Kinder lernen, wie man lernt. Orte, an denen kritisches Denken, Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten gefördert werden. Orte, die unsere Kinder darauf vorbereiten, Herausforderungen zu meistern, die wir heute noch gar nicht kennen können.</p>
<p>Dies erfordert eine komplette Neugestaltung unserer Bildungspläne und Unterrichtsmethoden. Weg vom starren Fächerkanon, hin zu interdisziplinären, problembasierten Lernansätzen. Weg von der Kreidezeit, hin zu einem sinnvollen Einsatz moderner Technologien. Klassenzimmer, in denen künstliche Intelligenz individualisiertes Lernen ermöglicht, das sich dem Tempo und den Bedürfnissen jedes einzelnen Schülers anpasst.</p>
<p>Auch die Rolle der Lehrkraft muss neu gedacht werden. Lernbegleiter und Coaches statt reiner Wissensvermittler. Dies erfordert neben massiven Investitionen in die Lehreraus- und -weiterbildung vor allem eines: Vertrauen in die Professionalität und das Engagement unserer Pädagogen.</p>
<p><strong>Die lähmende Bürokratie: </strong>Geben wir Schulen und Lehrern die Autonomie zurück, die sie brauchen, um effektiv arbeiten zu können. Lassen wir sie eigene pädagogische Konzepte entwickeln und umsetzen. Befreien wir sie von der Flut an Verwaltungsaufgaben und geben wir ihnen die Zeit zurück, die sie für das Unterrichten und Fördern ihrer Schüler benötigen.</p>
<p>Auch eine Reform unserer Bewertungssysteme scheint nötig. Weg von standardisierten Tests über Faktenwissen, hin zu Formen der Evaluation von Kreativität, kritischem Denken oder Problemlösungsfähigkeiten. Projektarbeiten, Präsentationen und praktische Anwendungen von Wissen, die mindestens genauso wichtig sind wie schriftliche Prüfungen.</p>
<p><strong>Schließlich die Sicherheit: </strong>Dies erfordert weit mehr als Überwachungskameras und Sicherheitsschleusen. Wir müssen eine Schulkultur schaffen, die auf gegenseitigem Respekt und Achtsamkeit basiert. Die Konflikte nicht unterdrückt, sondern konstruktiv mit ihnen umgeht. Investitionen in Schulpsychologen, in Mediationsverfahren, in Präventionsprogramme gegen Mobbing und Gewalt sind hier der Grundstein.</p>
<p>Auch die emotionale und soziale Intelligenz unserer Schüler muss mehr gefördert werden. Empathie, Teamarbeit und Konfliktlösung sind nicht nur für ein harmonisches Schulklima wichtig, sondern auch entscheidend für das spätere Berufsleben.</p>
<p>All diese Veränderungen mögen radikal und nicht einfach erscheinen. Sie erfordern Mut, Entschlossenheit und die Bereitschaft, liebgewonnene Gewissheiten in Frage zu stellen. Doch die Alternative – ein weiteres Abgleiten in die bildungspolitische und wirtschaftliche Mittelmäßigkeit – können wir uns als Gesellschaft nicht leisten.</p>
<p>Die Zeit drängt. Jeder Tag, an dem wir an einem überholten Bildungssystem festhalten, ist ein Tag, an dem wir unseren Kindern Chancen verwehren und unsere Zukunft als Gesellschaft gefährden. Wir haben alle Werkzeuge und alles Wissen, um eine Revolution in der Bildung einzuleiten. Was wir jetzt „nur noch“ brauchen, ist der politische Wille, die gesellschaftliche Unterstützung und den Mut, alte Strukturen aufzubrechen und Neues zu wagen.</p>
<p>Bildung ist nicht nur der Schlüssel zum individuellen Erfolg, sondern das Fundament, auf dem die Zukunft unserer Nation ruht. Und deshalb brauchen wir ein Bildungssystem, das nicht in der Vergangenheit gefangen ist, sondern die Zukunft aktiv gestaltet.</p>
<p>Für unsere Zukunft.<br /><strong>Für unsere Kinder. </strong></p>]]></media:description>
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           <description><![CDATA[<h2>Wie unser Bildungssystem unsere Kinder im Stich lässt – und wie wir das ändern können</h2>
<p><span style="font-size: 10pt;">Ein Beitrag von Peter Buchmann, Mitglied des 20. Landeselternbeirats</span></p>
<p><strong>In den Klassenzimmern Deutschlands tickt eine Zeitbombe. unser einst so gepriesenes Bildungssystem, lange Zeit Vorbild für die Welt, droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Während sich die Welt um uns herum in atemberaubendem Tempo wandelt, verharren unsere Schulen in den Strukturen und Denkweisen vergangener Jahrzehnte. drei fundamentale Probleme stechen dabei besonders hervor und untergraben nicht nur die Qualität unserer Bildung, sondern gefährden die Zukunftsfähigkeit unserer gesamten Nation.</strong></p>
<h3><strong>Die Säulen eines bröckelnden Fundaments</strong></h3>
<p><strong>Das erste und vielleicht augenfälligste Problem ist die Art und Weise, wie wir Wissen vermitteln und bewerten. </strong>In einer Ara, in der Informationen buchstäblich per Fingertipp verfügbar sind, klammern sich unsere Schulen noch immer verzweifelt an das Prinzip des Auswendiglernens. Schüler pauken Jahreszahlen, Formeln und Fakten, als stünden wir noch im 19. Jahrhundert, als Wissen tatsächlich nur in Büchern zu finden war. Doch in unserer heutigen Welt, in der sich Wissen exponentiell vermehrt und gleichzeitig rasant veraltet, ist diese Herangehensweise nicht nur ineffizient – sie ist geradezu absurd.<br /> Die Ironie dabei ist, dass wir unseren Kindern genau die Fähigkeiten vorenthalten, die sie in der modernen Welt am dringendsten benötigen. Statt ihnen beizubringen, wie man effektiv recherchiert, wie man die Flut an Informationen filtert und bewertet oder wie man die Glaubwürdigkeit von Quellen einschätzt, zwingen wir sie, Daten zu memorieren, die sie im realen Leben jederzeit nachschlagen könnten.</p>
<p><strong>Das zweite Kernproblem ist die erdrückende last der Bürokratie und Überregulierung. </strong>Was einst als Qualitätssicherung gedacht war, hat sich zu einem monströsen Apparat entwickelt, der sich vor allem selbst erhält und rechtfertigt. Lehrer verbringen mehr Zeit damit, Formulare auszufüllen, als sich um die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler zu kümmern. Schulen ersticken unter einer Flut von Verordnungen, die jeden Innovationsgeist im Keim ersticken.</p>
<p>Das demotiviert engagierte Pädagogen und untergräbt ihre Professionalität. Es schafft ein Klima der Frustration, in dem echtes Lehren und Lernen kaum noch möglich sind. Schlimmer noch, es hat ein System geschaffen, das vorgibt, im Dienste der Bildung zu stehen, in Wahrheit aber nur noch sich selbst dient.</p>
<p>Die Tragik: Nicht nur Lehrer und Schüler werden im Stich gelassen, sondern letztlich die gesamte Gesellschaft. Es produziert eine Generation, die oft hilflos vor den realen Herausforderungen des Lebens steht. Es schafft eine Bildungslandschaft, die starr und unflexibel den rasanten Veränderungen entgegensteht.</p>
<p><strong>Das dritte Problem ist die Frage der Sicherheit in unseren Schulen. </strong>Dabei geht es nicht nur um physische Sicherheit, sondern auch um die emotionale und psychische Sicherheit unserer Kinder – unerlässliche Aspekte für ein effektives Lernen. Mobbing, Cybermobbing, Gewalt und Aggressivität, Drogenmissbrauch und psychische Belastungen sind Probleme, die oft nicht ausreichend adressiert werden. Es ist die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit, die darüber entscheidet, ob ein Kind gerne zur Schule geht oder sich dort bedroht fühlt. Und trotz vermeintlich sinkender Kriminalitätszahlen fühlen sich viele Kinder unsicherer denn je. Doch ein Umfeld, in dem sich Schüler nicht sicher fühlen, ist ein Umfeld, in dem effektives Lernen unmöglich ist. Es müsste aktiv daran gearbeitet werden, eine Schulkultur zu schaffen, in der sich jeder Schüler wertgeschätzt, respektiert und sicher fühlt. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die subjektiven Erfahrungen und Angste der Schüler ernst nimmt und gezielt darauf eingeht. Nur so können wir ein Lernumfeld schaffen, in dem sich unsere Kinder wohl und sicher fühlen. Die Kombination dieser drei Problemfelder – veraltete Lernmethoden, lähmende Bürokratie und mangelnde Sicherheit – bildet einen toxischen Cocktail, der die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes bedroht. Es ist ein System, das in der Vergangenheit gefangen ist, während die Welt um uns herum in die Zukunft rast. Ein System, das unsere Kinder nicht auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereitet, sondern sie im Gegenteil daran hindert, ihr volles Potenzial zu entfalten.</p>
<p>Wie aber kann ein Bildungssystem geschaffen werden, das unsere Kinder wirklich auf die Zukunft vorbereitet, das Kreativität und kritisches Denken fördert, das Lehrer inspiriert, statt sie zu frustrieren, und das ein sicheres und förderndes Umfeld für alle bietet?</p>
<h3><strong>Ein Plädoyer für radikale Reformen </strong></h3>
<p>Der Ausweg erfordert nichts weniger als eine Revolution in unserem Denken über Bildung und in der Art und Weise, wie wir sie gestalten und vermitteln.</p>
<p><strong>Die Art des Lernens: </strong>Was wir brauchen, ist ein radikaler Paradigmenwechsel. Die zentrale Frage sollte nicht mehr lauten „Was wissen unsere Schüler?“, sondern „Wie gehen unsere Schüler mit Wissen um?“. Wir müssen Schulen zu Orten machen, an denen Kinder lernen, wie man lernt. Orte, an denen kritisches Denken, Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten gefördert werden. Orte, die unsere Kinder darauf vorbereiten, Herausforderungen zu meistern, die wir heute noch gar nicht kennen können.</p>
<p>Dies erfordert eine komplette Neugestaltung unserer Bildungspläne und Unterrichtsmethoden. Weg vom starren Fächerkanon, hin zu interdisziplinären, problembasierten Lernansätzen. Weg von der Kreidezeit, hin zu einem sinnvollen Einsatz moderner Technologien. Klassenzimmer, in denen künstliche Intelligenz individualisiertes Lernen ermöglicht, das sich dem Tempo und den Bedürfnissen jedes einzelnen Schülers anpasst.</p>
<p>Auch die Rolle der Lehrkraft muss neu gedacht werden. Lernbegleiter und Coaches statt reiner Wissensvermittler. Dies erfordert neben massiven Investitionen in die Lehreraus- und -weiterbildung vor allem eines: Vertrauen in die Professionalität und das Engagement unserer Pädagogen.</p>
<p><strong>Die lähmende Bürokratie: </strong>Geben wir Schulen und Lehrern die Autonomie zurück, die sie brauchen, um effektiv arbeiten zu können. Lassen wir sie eigene pädagogische Konzepte entwickeln und umsetzen. Befreien wir sie von der Flut an Verwaltungsaufgaben und geben wir ihnen die Zeit zurück, die sie für das Unterrichten und Fördern ihrer Schüler benötigen.</p>
<p>Auch eine Reform unserer Bewertungssysteme scheint nötig. Weg von standardisierten Tests über Faktenwissen, hin zu Formen der Evaluation von Kreativität, kritischem Denken oder Problemlösungsfähigkeiten. Projektarbeiten, Präsentationen und praktische Anwendungen von Wissen, die mindestens genauso wichtig sind wie schriftliche Prüfungen.</p>
<p><strong>Schließlich die Sicherheit: </strong>Dies erfordert weit mehr als Überwachungskameras und Sicherheitsschleusen. Wir müssen eine Schulkultur schaffen, die auf gegenseitigem Respekt und Achtsamkeit basiert. Die Konflikte nicht unterdrückt, sondern konstruktiv mit ihnen umgeht. Investitionen in Schulpsychologen, in Mediationsverfahren, in Präventionsprogramme gegen Mobbing und Gewalt sind hier der Grundstein.</p>
<p>Auch die emotionale und soziale Intelligenz unserer Schüler muss mehr gefördert werden. Empathie, Teamarbeit und Konfliktlösung sind nicht nur für ein harmonisches Schulklima wichtig, sondern auch entscheidend für das spätere Berufsleben.</p>
<p>All diese Veränderungen mögen radikal und nicht einfach erscheinen. Sie erfordern Mut, Entschlossenheit und die Bereitschaft, liebgewonnene Gewissheiten in Frage zu stellen. Doch die Alternative – ein weiteres Abgleiten in die bildungspolitische und wirtschaftliche Mittelmäßigkeit – können wir uns als Gesellschaft nicht leisten.</p>
<p>Die Zeit drängt. Jeder Tag, an dem wir an einem überholten Bildungssystem festhalten, ist ein Tag, an dem wir unseren Kindern Chancen verwehren und unsere Zukunft als Gesellschaft gefährden. Wir haben alle Werkzeuge und alles Wissen, um eine Revolution in der Bildung einzuleiten. Was wir jetzt „nur noch“ brauchen, ist der politische Wille, die gesellschaftliche Unterstützung und den Mut, alte Strukturen aufzubrechen und Neues zu wagen.</p>
<p>Bildung ist nicht nur der Schlüssel zum individuellen Erfolg, sondern das Fundament, auf dem die Zukunft unserer Nation ruht. Und deshalb brauchen wir ein Bildungssystem, das nicht in der Vergangenheit gefangen ist, sondern die Zukunft aktiv gestaltet.</p>
<p>Für unsere Zukunft.<br /><strong>Für unsere Kinder. </strong></p>]]></description>
           <author>vorsitz@leb-bw.de (Sebastian Kölsch)</author>
           <category>SiB, Schuljahr 2024/25, Nr 1, Oktober 2024</category>
           <pubDate>Thu, 31 Oct 2024 10:00:00 +0100</pubDate>
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